jeudi 24 septembre 2015

Ringautobahn

Unter gewissen Wind- und Witterungsbedingungen hört man als Generalbass die Ringautobahn: ein gleichmäßiges, unablässiges Dröhnen, das erst eine andere Windrichtung wieder verstummen lässt. Sie zieht sich wie ein Schlossgraben um die Stadt, diese Autobahn, und – ich kenne sie nur zu gut – ist häufig verstopft. Das Dröhnen ist also zwar gleichmäßig, doch es fließt oft nur stockend auf ihr. Da der Verkehr stark zugenommen hat, fehlen ein paar Fahrspuren, doch ist kein Platz für Erweiterung im Graben. Sie erinnert an überlastetes Leben, an ein vor Tatkraft wie verstopftes, weil dem bei all der geballten Geschäftigkeit auch quasi Fahrspuren fehlen. Aber gibt es denn nicht auch noch ziemlich leere Formen des Daseins? Dann sind drei oder vier Spuren freilich überflüssig, und schon zwei sind Luxus, eine einzige genügt – also überhaupt keine Ringautobahn, sondern höchstens ein schmales Gässchen, meinetwegen mit Kopfsteinplaster, durch das man ganz behutsam zuckelt, Kleinigkeiten bemerkend. Dabei geht es auf der verstopften Autobahn an den meisten Tagen kaum schneller voran; nur drängt es einen dann. Zu viel Leben schafft innere Ungeduld, und dennoch gibt es dabei wenig zu bemerken.

Solches denke ich, wenn ich bei mir das Dröhnen höre, dieses gleichmäßige und unablässige, solange dem Wetter danach ist.

16. August 2015

Aucun commentaire:

Enregistrer un commentaire