– Robert Lowell, Waking Early Sunday Morning
1. Irgendwann hat sich der Westen entschlossen, nur noch Dichter aus dem Osten zuzulassen. Die hatten seinerzeit interessante Berufe ergreifen müssen und das zahlte sich jetzt aus. Wir weiter westlich waren fauler. Aber lange durften Dichter auch faul sein, erst der neue Westen hat das verboten. Wer möchte, kann die niedergerissene Grenze dafür verantwortlich machen.
2. Ich wache auf in meinem Bett, es ist in der Tat mein eigenes. Vor mir der Tag, an dem mich nicht viel erwartet, und der auch nicht viel von mir erwartet. Nie erwartet mich viel an einem Tag, oder erwartet ein Tag viel von mir, denn ich habe schon lange verlassen, wo womöglich erwartet hätte, doch im eigenen Bett liege ich noch. Stets findet man sich nach einer Weile im eigenen Bett vor, wo immer das stehen mag, und welche Mühen es auch gekostet hat, zu Faulheit in ihm aufzuwachen. Betten sind Betten, und man kommt enger freilich nur mit seinesgleichen zusammen. Es gibt also keinen Möglichkeit, auch das Andere näher zu sehen. Stadt haust mit Stadt, Vorstadt mit Vorstadt, Land mit Land. Erst wer umzieht, bekommt neue Seinesgleichen und sieht die Dinge dann anders. Geht beim Umzug etwas verloren? Das Eigene, ja, wie in Lowells Epigramm sich einander den Goldschopf kämmend um zum Sterben gerüstet zu sein. Deine Thermopylen sind allerdings dort, wo die Sonne untergeht, und nicht allein die Jugend ist dahin, auch die Jugendfreunde sind verloren, nur der Kampf um neue Freiheit ist unablässig; wenn es dabei zu Sterben gilt, dann unter weitgehend Unbekannt. Also bitte nicht hadern, es hört eh niemand zu.
Er sei, erklärt er sich das, letztlich ja auch in den Westen gegangen, bloß liege der eben etwas westlicher als sonst üblich, und sein Osten auch schon etwas weiter dem Abend zugewandt. Und keine Not und nicht das die Not belohnende Gefundene Fressen sei zu vermerken, die seltsame Klage von Flucht aus einem Sauwetter – obschon gerechtfertigt – also unzulässig, und es gründe sein Tun sich auf nicht mehr als dieses eine: Man müsse das Eigene doch irgendwie loswerden, dieses Glückszeug, dieses klebrige, das man periodisch auszuscheiden habe, und sei es bei hektischer Reibung mit dem immerhin Fremden – auch ein westlicher Gedanke – das, dem Himmel sei Dank, aber fremd bleibe und dem einer wie er doch sofort aus der Hand fresse, obzwar wenig darin zu finden sei, insofern des unglaublichen Glaubens, man könne sich das trauen unter seinesgleichen.
Wie stets der Zug nach Westen
Es ändert sich höchstens der Reisekomfort.
Komm fort, komm fort, doch es kommt vor
Dass Westen hält zum Besten.
Habs nicht von dem, der dabei
Riskierte Leib und Leben
Im Schlauchboot, Altes aufzugeben
Für Neues, das auch nicht so neu.
Ist es die Schuld des Zieles?
Ein Ziel wird auch nicht jünger.
Du aufgebrauchter Segensbringer:
Vergeben sei dir vieles.
Es ändert sich höchstens der Reisekomfort.
Komm fort, komm fort, doch es kommt vor
Dass Westen hält zum Besten.
Habs nicht von dem, der dabei
Riskierte Leib und Leben
Im Schlauchboot, Altes aufzugeben
Für Neues, das auch nicht so neu.
Ist es die Schuld des Zieles?
Ein Ziel wird auch nicht jünger.
Du aufgebrauchter Segensbringer:
Vergeben sei dir vieles.
5. September 2015
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