dimanche 1 février 2015

Katastrophen sind selten. Nichtigkeiten


i.

Was so groß angelegt war – und im Nichts auch gewaltig prangte – zerschellte, bevor es in die Welt trat: an der Welt, sofort bei Eintritt in ihre massive Atmosphäre.
Ja, zum Glück fielen einmal mehr nichts als Schnüppchen herab, fein Zermahlenes mit, hie und da, ein paar unwesentlich größeren Bröckchen als letzten Zeugnissen für ein fernes Sein, ferngeborene Majestät.
Dafür interessierten sich die Sibirier aber nicht. Auch dann, wenn es irgendwo dunkel blinkte, stießen sie höchstens mit dem Stiefel dagegen. Schamanen haben sie selbst, sie brauchen keine lächerlichen Himmelsboten.
Doch auch Schamanen können nicht mehr zusammensetzen, was der Himmel zerbrochen hat; sie können es höchstens deuten. Immerhin das. Vorbeigekommen ist bislang allerdings auch noch kein Schamane. Allzu weitläufig, dieses kleine Sibirien. Oder allzu kurzsichtig, das örtliche magische Auge, pragmatisch auch nur auf den scheinbar so weiten, vor allem aber nachvollziehbaren Horizont ausgerichtet, und blind gegenüber dem Staub überirdischen Scheiterns.


ii.

On y a peu affaire aux phénomènes naturels, la grande ville est un rempart.
Je ne sais si elle me protège ou prive, mais ces bouleversements qui, en pleine nature, sont déjà rares, ici, sauf accident improbable, n’auront pas lieu. Trop d’habitants pour laisser passer ça. Trop de rembourrage.
C’est-à-dire simplement trop de moyens.
Trop d’éclairage tueur d’étoiles, trop de chauffage empêchant qu’il fasse vraiment froid et que la neige reste, puis surtout trop de refuges sous les porches. Même la pluie n’est plus comme à la campagne, comme celle qui trempe jusqu’aux os. Ou alors ce sont les hommes, les catastrophes naturelles en ville. Tout y est fait maison, on en est réduit à ça.
En l’absence de véritables phénomènes naturels, j’ai donc dû me limiter – encore la faute à la société. Voilà le vice des gens de mon espèce : élitistes, on s’accumule. Pour rendre le milieu si défavorable qu’on ne sait même plus s’il protège ou prive. Ainsi, le pire des dangers reste le pire des attraits.


iii.

Er spielte keine Rolle in der Welt, stellte nichts dar:
Ja, er war ein Nichts, ein Niemand, der in der Tat nicht nicht einmal sich selbst darstellen konnte oder wollte. Ein ungehobelter Eigenbrötler.
Und natürlich gab ihm die Welt auf einmal Fußtritte. Konformismuszwang? Kehrwoche? Etwa Hölderlin zur Kehrwoche einbestellt?
Nein, ein Erdbeben.
Bei einem Erdbeben bekommt man Tritte von unbelebter Seite aus:
Plötzlich tritt einem die Wand in den Hintern – jene Wand, die doch normalerweise nur stumm dasteht und trennt. Oder der dienstfertige Schrank.
Man liegt schon am Boden, bevor man kapiert hat, was Sache ist: ein Erdbeben.
Wobei bei einem Erdbeben niemals die gesamte Erde bebt, sondern nur ein Teil. Ein ganz individueller Teil, der dann aber eine besondere Rolle spielt und etwas darstellt: Belebtes.
So als ob Teil nicht wüsste, dass er damit seine Befugnisse überschreitet.
Wie einer, der tatsächlich für sich selbst leben möchte.
Statt als Erdbeben endet derjenige aber eher in der Klapse. Die Welt aus den Angeln, so ist das.

18. Dezember 2014

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