mercredi 2 octobre 2013

Nudité héroïque

Les puissants se disputent souvent. Il s’agit de notions de puissance. Et de quoi faire avec. C’est nécessaire, semblerait-il, au maintien des choses. Ils sont tellement exposés, ceux-là, tellement responsables lorsqu’ils se reprochent mutuellement leur incapacité qu’on dirait le public médusé, alors qu’il s’endort un peu devant son poste. Moi, public, et m’interrogeant sur le quoi faire, je pense en somnolant que ne rien faire ne ferait pas de mal et j’agis en conséquence ; seulement, je ne suis pas un puissant, je ne fais que bâiller devant mon poste.

Il arrive pourtant que nous, les impuissants, on se réveille pour se faire à notre tour des reproches, des reproches de tout genre, dépassant largement nos capacités, sauf que personne – en dehors du voisin peut-être – n’est au courant du ridicule. Quand les puissants se disputent sur le devant d’une scène, parlant d’incapacité devant un public d’incapables, c’est autre chose. Cela fait très puissant. Je ne serais pas étonné s’il s’avérait que ce soit là même tout le secret de leur puissance.

24 Août 2013

samedi 24 août 2013

Verflossene Liebschaften

So etwas passiert ihm immer häufiger.
Er blieb, obschon wach, noch eine Zeitlang im Bett und vertrödelte seinen Morgen wieder einmal damit, an verflossene Liebschaften zu denken und Reue zu empfinden. Sentimentalische Reue und regelrechten Ärger über die Verflossenheit. Denn diese Liebschaften waren allesamt blutjung und wunderschön. Das haben solche Liebschaften ja an sich und macht das Verflossensein nach Jahrzehnten auf einmal ärgerlich: Sie sind und bleiben blutjung und wunderschön. Er hatte sie schließlich schon sehr lange aus den Augen verloren, und selbst dann, wenn er einer seiner verflossenen Liebschaften nach Ewigkeiten zufällig begegnet war und, ungeachtet aller Freude, doch in erster Linie Erschütterung empfunden hatte, wie sehr diese Liebschaft mittlerweile an Jugend und Schönheit verloren hatte, schwand ihm das bald wieder aus dem Gedächtnis. Jawohl: Ohne den geringsten Willensakt seinerseits und zudem in Windeseile war die gealterte Person in ihren Urzustand zurückgeführt, sozusagen repariert und erneut in dem Zustand körperlicher Perfektion, in dem sie laut Ambrosius dereinst vor ihrem Schöpfer stehen wird, damit sie auch ihm in seinen Morgenträumereien wieder so erscheinen konnte, wie sie in den Zeiten der Liebschaft gewesen war, also damals, als sie das Geliebtwerden noch verdient hatte. Denn sonst hätte man sich ja nur wundern können.

Besagte Liebschaftserinnerungen haben keinerlei moralischen Wert, aber er schätzt seine Empfindsamkeit eben sehr, und auch das eventuelle vage Unwohlsein, weil er letztendlich ein ziemlicher Mistkerl ist – auch nicht besser als andere Leute, die das Vergehen von Jugend und Schönheit nur sich selbst verzeihen.

11. Mai 2013 [Verflossene Liebschaften II]

mercredi 15 mai 2013

La fin du bouton

Voici le printemps, tout bourgeonne.
Or, il paraît que les boutons d’allumage seront bientôt remplacés par des écrans tactiles, voire des commandes purement vocales.

L’écran tactile, bien que trop impliquant l’œil, pour le moins on y touche encore, seulement c’est devenu vague et guère gratifiant, il n’y a plus rien qui s’enfonce ou s’érige sous notre doigt, aucune résistance à vaincre ou à susciter. Puis la commande vocale parachève le cheminement. Elle semble, il est vrai, adaptée aux gens timides de leurs doigts ou fort directifs, ou les deux – j’en connais – mais elle a de plus grands désavantages encore.

Jusqu’à présent une telle commande vocale, douce, persuasive, ne servait qu’à donner accès au bouton d’allumage, manipulé ensuite par l’index ou le majeur bien plus hardis ; ou, dans le cas des plus impressionnants parmi les boutons, par plusieurs doigts intrépides en même temps. Une espèce de silence – la manipulation concentrée et quasiment muette – devenant alors la règle. Rien qu’une respiration, et si la langue intervenait, ce n’était pas celle qu’on parle.

Maintenant qu’il faut sauter ce passage, ne nous étonnons pas si la réponse est forcée, uniquement guidée par un intérêt quelconque, étranger à la chose, financier peut-être.

Mais l’hypocrisie, le mensonge et la précipitation sont vraiment très compliqués à expliquer. Ils sont trop dans l’air du temps.

2 Mai 2013

lundi 4 mars 2013

Ein Rückschluss

Sah im Fernsehen ein Krokodil, das urplötzlich ins Wasser rutschte und davonschwamm, vielleicht auf etwas zu, dessen letzte Stunde geschlagen hatte.
Man sieht im Fernsehen häufig solche Szenen, urplötzlich ins Wasser rutschende Krokodile sind ein beliebtes Motiv. Das erspart einem den Besuch entfernter Länder und möglicherweise gefahrvolle Begegnungen, obwohl man schon sehr leichtsinnig sein muss, um selbst in entfernten Ländern in die Nähe von Krokodilen zu gelangen. Erst im Fernsehen fallen entfernte Länder und ins Wasser rutschende Krokodile fast unweigerlich zusammen. Man fragt sich, was die Menschen in diesen Ländern über uns erfahren. Auch bei uns gibt es unter Umständen solche rutschenden Krokodile, von denen wir nur keine Ahnung haben. Und schon ist es zu spät. Das Fernsehen lässt jedenfalls derartige Rückschlüsse zu, es erzieht zu äußerster Vorsicht.


Une conclusion

A la télé, j’ai vu un crocodile qui, brusquement, se fit glisser dans l’eau pour partir à la nage, peut-être en direction de quelque chose dont c’était la dernière heure.
On voit couramment de telles scènes à la télé, des crocodiles qui brusquement se font glisser dans l’eau sont un motif apprécié. Cela nous épargne la visite de pays lointains et, du coup, de possibles mauvaises rencontres, bien qu’il faille être assez léger pour se trouver, fût-ce dans un pays lointain, à proximité d’un crocodile. Ce n’est qu’à la télé qu’il y a rapprochement quasi automatique entre des pays lointains et des crocodiles qui se font glisser dans l’eau. On se demande ce que les habitants de ces pays apprennent sur nous. Si cela se trouve, chez nous aussi il y a de semblables crocodiles glisseurs dont nous n’avons seulement pas idée. Et tout à coup c’est trop tard. La télé permet en tout cas de telles conclusions, elle nous apprend à être vachement sur nos gardes.

3 Mars 2013

jeudi 28 février 2013

Publikumsbeschimpfung



eil er unter den vielen Leuten nicht mehr so richtig zum Nachdenken kam, begab sich einer namens Simeon weit vor die Stadt und erklomm eine einzelne Säule, die als letzter Überrest eines heidnischen Tempels in der beginnenden Wüste stand.
Auf der winzigen Plattform richtete er sich ein und überlegte.
Der Regen, der ihm nächtens in den Mund fiel, stillte seinen Durst; den Hunger vergaß er.
Ein Hirt, der nach einem verlorenen Lämmlein suchte, erblickte ihn als erster und brachte die Nachricht zu Simeons ehemaligen Mitbürgern.
Bald fanden sich einzelne am Fuß der Säule ein und beteten. Er stand regungslos oben und dachte nach.
Immer mehr Menschen kamen, dann besonders auch kranke. Man führte Blinde heran, die ihre leeren Augen zu ihm hoben, trug Lahme herbei, damit sie die Säule berühren konnten, oder es kamen von bösem Auswuchs Verunstaltete und Aussätzige, die ihr wundes Fleisch am Marmor rieben. Dadurch wurden sie fast geheilt. Sie konnten zwar nicht etwa wieder sehen, oder gehen, oder verloren die Geschwülste und Pusteln, doch sie ertrugen ihr Leid fortan mit Gelassenheit.
Da Simeon inzwischen sehr abgenommen hatte, wünschten manche, des Himmels Gnade zu erwirken, indem sie dem heiligen Mann zu essen brachten. Sie spießten Brote auf Stangen und hielten sie ihm entgegen.
Die konkurrierenden Fladen, die vor seinen Augen schwankten, erinnerten ihn an den Hunger, den er schon vergessen hatte, und so begann er, hin und wieder nach einer der Stangen zu greifen, um sich einen Brocken abzubrechen. Schweigend kaute er und dachte dabei nach, so gut er noch konnte. Die Fäkalien aber, die nunmehr von der Säule herabfielen, wurden begierig aufgenommen, und vor allem von den Weibern als Reliquien in die Stadt getragen. Auf jede Darmentleerung folgte eine Prozession.
An Festtagen fand sich mittlerweile die halbe Stadt bei der Säule ein und sang Choräle.
Simeon wurde das Treiben unerträglich. Da hatte er es in der Stadt ja noch deutlich ruhiger gehabt. Nichts ist schlimmer als dumpfe Begeisterung, die zu einem in die Einsamkeit schallt.
Einmal erhob er die Stimme und rief der Menge wüste Schmähungen zu. Er war überrascht, dass er nach all der Nachdenkerei überhaupt noch sprechen konnte.
Die Menschen verstummten augenblicklich und fielen auf die Knie. Doch als er mit dem Schimpfen geendet hatte, begannen sie noch glühender zu singen, und der eine oder andere geißelte sich sogar und machte größeren Lärm als zuvor. Simeon sah ein, dass Worte keinen Sinn haben.
Es war allein die Zeit, die ihm zu Hilfe kam.
Nach und nach verloren nämlich viele die Lust, zu einem zu pilgern, der nur schwieg und sich die Ohren zuhielt, sobald man zu lobpreisen begann, und es wurde sozusagen zu einer Selbstverständlichkeit, dass vor der Stadt ein zerzauster Heiliger stand, der gegebenenfalls den Arzt ersetzen konnte. Den Kranken wiederum genügte es, die in allen Kirchen der Stadt ausgestellten Kristallkästchen mit den Reliquien darin zu küssen. Das war nicht ganz so ekelhaft und half ebenfalls.
Die Menschenansammlung unter der Säule dünnte also allmählich aus, und die, die noch kamen, wurden älter und älter, bis sie nacheinander das Zeitliche segneten. Eines Tages war der Mann erneut allein. Er kam nun wieder recht gut zum Nachdenken.
Doch was er auch herausfand, er musste es für sich behalten. Es brachte offenbar niemanden weiter, und nicht einmal ihn, der meist nur stocksteif unter einem gleichmütigen Himmel stand.
Als er keinen Zweifel mehr darüber hatte, dass Nachdenken zu nichts führt, und das Stehen auf einer einzelnen Säule, die in der beginnenden Wüste von einem heidnischen Tempel übrig geblieben ist, ebenfalls zu nichts, stieg er herab und begab sich zurück in die Stadt. Womöglich hatte er aber auch bloß Appetit auf ein Stück Fladenbrot.
Jedenfalls fiel es niemandem auf, keiner erkannte ihn, als er durch das Stadttor kam, er lebte künftig einfach wieder unter den Menschen und bettelte. Doch musste er nach einiger Zeit feststellen, dass das einzige, was den Städtern von dem Säulenheiligen im Gedächtnis geblieben war, jene Schmähworte waren, die er ihnen einst zugerufen hatte.
Kein Wunder, denn er hatte ja keine andere Weisheit von sich gegeben. Hatte er überhaupt eine andere gefunden? Diese eine hatte sich jedenfalls in den Köpfen festgesetzt. Ob ihm das als simpler Bettler zugute kam, wissen wir allerdings nicht.

26. Oktober 2010

mercredi 27 février 2013

Mimétisme

Il faut passer l’hiver d’une façon ou d’une autre.
Pour les ours ou les marmottes, c’est facile, éveillé c’est moins évident.

Profitons-en, promenons-nous dans la neige lorsqu’il y en a – voilà une idée de bon sens. Mais moi, l’hiver me rend aphone, et les promenades muettes, en canadienne, communiant avec les conditions hostiles, sont pour les aguerris mystiques dont, hélas, je ne fais pas partie.
J’hiberne donc sans hiberner, seulement engourdi, ne tirant nul profit de ce repos qui est nécessaire, paraît-il, à l’éternel retour du même, et dont de plus forts que moi savent faire quelque chose.

Moi, je ne sais rien en faire, de mon hiver à moi, qui est citadin et moche, un vrai hiver, pas des vacances d’hiver, et je me sens comme un bout de lui, hiver en ville, hiver moi-même, convaincu qu’on ne peut pas lutter contre soi avec ses propres armes, qu’en ville cette espèce de joute est impossible.
Or, les armes de l’hiver, c’est l’hiver. Que je vois, au mieux, scintiller sans bonheur, nu et à blanc comme lui, en m’identifiant à lui, seulement sans le moindre effet de parenté, sans la compensation du mimétisme.
Il est comme ça, il est juste comme moi, mon hiver à moi, recroquevillé, maladif, si affaibli qu’il peut prendre à tout moment un pauvre air comminatoire, pauvrement comminatoire, pas à sa place là où il se trouve, mais à ma place. Et je me dis, tant pis pour lui, puisqu’il faut bien le passer quelque part, cet hiver-là.


26 Février 2013

samedi 9 février 2013

Später Ratschlag

Ein bewegender Traum von alten Zeiten, allerdings ausgehend, wie es hätte ausgehen sollen. Das passiert ihm hin und wieder. Σαν σώματα ωραία νεκρών usw. Er wacht davon auf, fühlt sich sogar im Liegen ziemlich weich auf den Beinen, knipst das Licht an, und noch ganz erschüttert von der Tatsache, dass ihm nach Jahrzehnten endlich eine Vorgehensweise in den Sinn gekommen war, notiert er seinen Einfall.

Hätte er solche Träume nur auch schon damals gehabt, vielleicht hätten sie ihm ja genutzt. Doch man träumt keine praktischen Vorschläge, solange das Liebesobjekt und man selbst noch an der Tagesordnung ist. Und er hatte unglaublich begehrt in diesen Zeiten, konnte über das Objekt seiner Begierde aber nicht herfallen; das ging damals nicht und ging auch später kaum. Das Ergebnis war das Leben, das er hatte. Er hatte zwar das Reden gelernt – ja, hemmungslos ausdrücken konnte er sich mittlerweile – allein was Taten anging, musste man es ihm nach wie vor leicht machen. Manchmal wurde es ihm leicht gemacht – manchmal, selten genug, nicht wahr. Objekte der Begierde haben es eben nicht an sich, es den Begehrenden leicht zu machen. Und weil sein Leben so ist, wie es ist, hört er nicht auf, sich nach den Gründen für seine Zurückhaltung zu fragen und dummes Zeug zu träumen.

Feigheit ist diese Zurückhaltung nicht, denn er ist in vielen Dingen des Lebens nicht feig. Es scheint eine Art von Respekt dem Objekt der Begierde gegenüber – seine Art von Respekt, um sein Begehren zu zeigen. Man darf Objekte der Begierde jedoch nicht respektieren, das erwarten sie auch nicht, ganz im Gegenteil. Nichts auf der Erde erwartet, respektiert zu werden, und das weiß er eigentlich auch, nur hilft es ihm nicht. Es hilft ihm nicht darüber hinweg, durch besondere Zurückhaltung Begierde ausdrücken zu wollen.

Auch sein Geiz, was das Benutzen von Bildern angeht, rührt daher. Trotz ausufernder Phantasie. Dieses erste Objekt seiner Begierde hatte schon früh von seiner „Theorielastigkeit“ gesprochen. „Ausufernde Phantasie, aber theorielastig.“ Richtig ist, dass er auch damals schon versuchte, jeder jähen Überflutung, jeder inneren Naturkatastrophe, sofort einen Sinn abzugewinnen, und Objekte der Begierde so etwas selbstverständlich erkennen. Aber helfen wollen sie einem dennoch nicht. Objekte der Begierde werfen vor, und man kann nichts aus ihren berechtigten Vorwürfen machen. Man kann so wenig damit anfangen wie mit seiner berechtigten Begierde. Man muss geradezu den Eindruck bekommen, es ist der Begierde Berechtigung, dass man nichts damit anfangen kann.

Man kann nur versuchen, das Beste aus den Dingen zu machen. So, wie man aus dem Ding „Begierde“ das Beste gemacht hat, und aus dem Objekt selbst. Man hat schließlich viel daraus gemacht, vielleicht zu viel, nur: darüber hergefallen ist man nicht.

Der einzige Trost wäre, aber vermutlich ist es eine Ausrede, dass man letzten Endes einfach nicht genug begehrt hat, um nämlich gegen seinen Willen darüber herzufallen, oder dass das Objekt selbst, obwohl man so viel daraus gemacht hat, immer noch nicht viel genug war, also die Unzulänglichkeit im Objekt selbst lag. Ein beruhigender Gedanke; wozu hat man denn seine ausufernde Phantasie? Wer weiß, wie viele zu verpassenden Gelegenheiten jetzt noch warten, und wie viele Nächte für verspätete Lösungen bleiben.

3. Februar 2013 [Verflossene Liebschaften I]