samedi 9 février 2013

Später Ratschlag

Ein bewegender Traum von alten Zeiten, allerdings ausgehend, wie es hätte ausgehen sollen. Das passiert ihm hin und wieder. Σαν σώματα ωραία νεκρών usw. Er wacht davon auf, fühlt sich sogar im Liegen ziemlich weich auf den Beinen, knipst das Licht an, und noch ganz erschüttert von der Tatsache, dass ihm nach Jahrzehnten endlich eine Vorgehensweise in den Sinn gekommen war, notiert er seinen Einfall.

Hätte er solche Träume nur auch schon damals gehabt, vielleicht hätten sie ihm ja genutzt. Doch man träumt keine praktischen Vorschläge, solange das Liebesobjekt und man selbst noch an der Tagesordnung ist. Und er hatte unglaublich begehrt in diesen Zeiten, konnte über das Objekt seiner Begierde aber nicht herfallen; das ging damals nicht und ging auch später kaum. Das Ergebnis war das Leben, das er hatte. Er hatte zwar das Reden gelernt – ja, hemmungslos ausdrücken konnte er sich mittlerweile – allein was Taten anging, musste man es ihm nach wie vor leicht machen. Manchmal wurde es ihm leicht gemacht – manchmal, selten genug, nicht wahr. Objekte der Begierde haben es eben nicht an sich, es den Begehrenden leicht zu machen. Und weil sein Leben so ist, wie es ist, hört er nicht auf, sich nach den Gründen für seine Zurückhaltung zu fragen und dummes Zeug zu träumen.

Feigheit ist diese Zurückhaltung nicht, denn er ist in vielen Dingen des Lebens nicht feig. Es scheint eine Art von Respekt dem Objekt der Begierde gegenüber – seine Art von Respekt, um sein Begehren zu zeigen. Man darf Objekte der Begierde jedoch nicht respektieren, das erwarten sie auch nicht, ganz im Gegenteil. Nichts auf der Erde erwartet, respektiert zu werden, und das weiß er eigentlich auch, nur hilft es ihm nicht. Es hilft ihm nicht darüber hinweg, durch besondere Zurückhaltung Begierde ausdrücken zu wollen.

Auch sein Geiz, was das Benutzen von Bildern angeht, rührt daher. Trotz ausufernder Phantasie. Dieses erste Objekt seiner Begierde hatte schon früh von seiner „Theorielastigkeit“ gesprochen. „Ausufernde Phantasie, aber theorielastig.“ Richtig ist, dass er auch damals schon versuchte, jeder jähen Überflutung, jeder inneren Naturkatastrophe, sofort einen Sinn abzugewinnen, und Objekte der Begierde so etwas selbstverständlich erkennen. Aber helfen wollen sie einem dennoch nicht. Objekte der Begierde werfen vor, und man kann nichts aus ihren berechtigten Vorwürfen machen. Man kann so wenig damit anfangen wie mit seiner berechtigten Begierde. Man muss geradezu den Eindruck bekommen, es ist der Begierde Berechtigung, dass man nichts damit anfangen kann.

Man kann nur versuchen, das Beste aus den Dingen zu machen. So, wie man aus dem Ding „Begierde“ das Beste gemacht hat, und aus dem Objekt selbst. Man hat schließlich viel daraus gemacht, vielleicht zu viel, nur: darüber hergefallen ist man nicht.

Der einzige Trost wäre, aber vermutlich ist es eine Ausrede, dass man letzten Endes einfach nicht genug begehrt hat, um nämlich gegen seinen Willen darüber herzufallen, oder dass das Objekt selbst, obwohl man so viel daraus gemacht hat, immer noch nicht viel genug war, also die Unzulänglichkeit im Objekt selbst lag. Ein beruhigender Gedanke; wozu hat man denn seine ausufernde Phantasie? Wer weiß, wie viele zu verpassenden Gelegenheiten jetzt noch warten, und wie viele Nächte für verspätete Lösungen bleiben.

3. Februar 2013 [Verflossene Liebschaften I]

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