Ein bewegender Traum
von alten Zeiten, allerdings ausgehend, wie es hätte ausgehen
sollen. Das passiert ihm hin und wieder. Σαν
σώματα ωραία νεκρών
usw. Er wacht davon auf, fühlt sich sogar
im Liegen ziemlich weich auf den Beinen, knipst das Licht an, und
noch ganz erschüttert von der Tatsache, dass ihm nach Jahrzehnten
endlich eine Vorgehensweise in den Sinn gekommen war, notiert er
seinen Einfall.
Hätte er solche Träume
nur auch schon damals gehabt, vielleicht hätten sie ihm ja genutzt.
Doch man träumt keine praktischen Vorschläge, solange das
Liebesobjekt und man selbst noch an der Tagesordnung ist. Und er
hatte unglaublich begehrt in diesen Zeiten, konnte über das Objekt
seiner Begierde aber nicht herfallen; das ging damals nicht und ging
auch später kaum. Das Ergebnis war das Leben, das er hatte. Er hatte
zwar das Reden gelernt – ja, hemmungslos ausdrücken konnte er sich
mittlerweile – allein was Taten anging, musste man es ihm nach wie
vor leicht machen. Manchmal wurde es ihm leicht gemacht – manchmal,
selten genug, nicht wahr. Objekte der Begierde haben es eben nicht an
sich, es den Begehrenden leicht zu machen. Und weil sein Leben so
ist, wie es ist, hört er nicht auf, sich nach den Gründen für
seine Zurückhaltung zu fragen und dummes Zeug zu träumen.
Feigheit ist diese
Zurückhaltung nicht, denn er ist in vielen Dingen des Lebens nicht
feig. Es scheint eine Art von Respekt dem Objekt der Begierde
gegenüber – seine Art von Respekt, um sein Begehren zu zeigen. Man
darf Objekte der Begierde jedoch nicht respektieren, das erwarten sie
auch nicht, ganz im Gegenteil. Nichts auf der Erde erwartet,
respektiert zu werden, und das weiß er eigentlich auch, nur hilft es
ihm nicht. Es hilft ihm nicht darüber hinweg, durch besondere
Zurückhaltung Begierde ausdrücken zu wollen.
Auch sein Geiz, was das
Benutzen von Bildern angeht, rührt daher. Trotz ausufernder
Phantasie. Dieses erste Objekt seiner Begierde hatte schon früh von
seiner „Theorielastigkeit“ gesprochen. „Ausufernde Phantasie,
aber theorielastig.“ Richtig ist, dass er auch damals schon
versuchte, jeder jähen Überflutung, jeder inneren Naturkatastrophe,
sofort einen Sinn abzugewinnen, und Objekte der Begierde so etwas
selbstverständlich erkennen. Aber helfen wollen sie einem dennoch
nicht. Objekte der Begierde werfen vor, und man kann nichts aus ihren
berechtigten Vorwürfen machen. Man kann so wenig damit anfangen wie
mit seiner berechtigten Begierde. Man muss geradezu den Eindruck
bekommen, es ist der Begierde Berechtigung, dass man nichts damit
anfangen kann.
Man kann nur versuchen,
das Beste aus den Dingen zu machen. So, wie man aus dem Ding
„Begierde“ das Beste gemacht hat, und aus dem Objekt selbst. Man
hat schließlich viel daraus gemacht, vielleicht zu viel, nur:
darüber hergefallen ist man nicht.
Der einzige Trost
wäre, aber vermutlich ist es eine Ausrede, dass man letzten Endes
einfach nicht genug
begehrt hat, um nämlich gegen seinen
Willen darüber herzufallen, oder dass
das Objekt selbst, obwohl man so viel daraus gemacht hat, immer noch
nicht viel genug war, also die Unzulänglichkeit im Objekt selbst
lag. Ein beruhigender Gedanke; wozu hat man denn seine ausufernde
Phantasie? Wer weiß, wie viele zu verpassenden Gelegenheiten jetzt
noch warten, und wie viele Nächte für verspätete Lösungen
bleiben.
3. Februar 2013 [Verflossene Liebschaften I]
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