Fünf Mär<en na< Ludwig Be<≠ein
1. Oda und der S<lingel
Es war einmal ein ≠einrei<er Bauer, der um eines Ge∫<äftes willen in die Stadt fuhr. Er hatte eine bildhüb∫<e, jedo< ziemli< töri<te To<ter namens Oda, und da er ihr ∫ehr zugetan war, fragte er ≡e, was er ihr aus der Stadt denn S<önes mitbringen dürfe. In ihrer ∫eligen Einfalt ∫agte ≡e: „A<, Vater, bringe mir gerade das mit, was unbedingt her zu mir will.“ Als der Bauer ∫eines erledigt hatte, ∫u<te er na< einem ∫ol<en Ge∫<enke, do< da er wieder einmal ni<t wußte, was Oda gemeint hatte, ∫<ien ihm keines angeme≈en. Wie er die Turmuhr ∫<on fünfe ∫<lagen hörte, gab er auf und ging wieder zu ∫einem Wagen. Do< kurz bevor er den Pferden die Peit∫<e gab, eilte zwi∫<en den Häu∫ern ein junger S<lingel heran, ∫o abgeri≈en wie ein ≠reunender Hund, und rief atemlos, ob er ihn denn ni<t mitnehmen wolle, eine kleine Rei∫e käme ihm nämli< ju≠ ∫ehr gelegen, glei<gültig, wohin. Den rei<en Bauern erinnerte das an den Wun∫< ∫einer To<ter und ∫o ließ er ihn auf≡≥en. Sei es, wie es wolle, da habe i< ja, worum Oda mi< gebeten hat, da<te er den ganzen Weg über und ertrug wortlos die Narrenge∫<i<ten die∫es o≤en≡<tli<en Ni<tsnu≥es und Tagediebs, de≈en halb ehrerbietiger, halb drei≠er Ton ihm ∫on≠ wohl übel aufge≠oßen wäre. Am Hofe angekommen, nahm Oda den S<lingel in Empfang, plauderte eine Weile und bot ihm an, im Stall zu überna<ten, denn der ∫ei groß genug. Dem S<lingel kam es zupaß, am nä<≠en Abend aber war er immer no< da und meinte, mit den Rindern wolle er freili< ni<t mehr ∫<lafen, die ≠änken und muhten do< zu ∫ehr. Da ließ ihm Oda unterm Vorda< ein Na<tlager ri<ten. Am folgenden Abend war es ihm leider wieder ni<t re<t, denn da gehe ∫elb≠ im Winkel zu viel Wind, und er bitte untertänig≠, bei Dunkelheit hereingela≈en zu werden. Da ließ ihn Oda in den Flur. In der Na<t darauf paßte ihm au< der Flur ni<t und er wollte vor ihre Kammer. Na< einigem Zögern erwei<te ≡< Oda erneut. Es ward nun aber ∫<on Herb≠, und wieder einen Tag ∫päter bemerkte er, in ihrer Kammer ∫ei do< ≡<erli< ein guter Ofen. Oda ∫eufzte und fand den S<lingel rei<li< fre<, do< ließ ihn endli< au< in ihre Kammer herein. Als ≡e ≡< dort entkleidete und zu Bett ging, zog ≡< au< der S<lingel aus und meinte, ihm frö≠ele nun ∫ogar in ihrer Kammer, und ob er denn ni<t zu ihr unter das herrli<e Federbett krie<en dürfe. Das ver≠and Oda dur<aus, denn au< ihr war es na>end in der Kammer etwas kalt, do< bevor ≡e ihm au< das erlauben konnte, ≠ellten ≡< no< ein paar Fragen. „Wir kennen uns do< kaum!“ entgegnete ≡e ∫<eu, do< ∫<aute ≡< den Bur∫<en glei<zeitig von oben bis unten genau an, wobei ≡e zwar de≈en Gän∫ehaut fe≠≠ellte, aber au< bemerkte, warum man ∫o jemanden einen S<lingel nannte. Als er unter ihren langen Bli>en fa≠ ∫o ∫ehr zu erröten begann wie ≡e ∫elb≠, ∫<üttelte ≡e ∫o lebhaft das Köpf<en, daß ihr die Zöpfe um die heißen Wangen flogen, rief ihn aber tro≥dem zu ≡< ins Bett. Neben ihr fror er allerdings immer no< und wollte ≡< ganz eng an ≡e ∫<miegen. A<, darauf kam es nun au< ni<t mehr an, da<te die bildhüb∫<e, jedo< ziemli< töri<te Oda, und ∫<miegte ≡< ihrer∫eits an. Sie verbat ≡< zwar jegli<e weitere Zudringli<keit und erwehrte ≡< ihrer mehrfa<, do< rügte ihren Bettga≠ mit ∫<windendem Ern≠e, wodur< der die Zure<twei∫ung immer herzli<er mißa<tete. Darunter kamen beide ∫o ins Fiebern, daß das herrli<e Federbett gar ni<t mehr nötig war; und zu guter Le≥t ge∫<ah, was ge∫<ehen mu≈te. Na<dem er ≡< aus Odas Armen wieder herausgewunden hatte, belehrte ≡e der S<lingel, daß ≡e je≥t, wo das auf ihm La≠ende gebro<en und er qua≡ davon erlö∫et ∫ei, ihn aber au< heiraten mü≈e, denn ∫on≠ ∫ei die ganze Erlö∫erei nur eine Rie∫en∫<ande. Des Morgens ging Oda zu ihrem Vater, erzählte dem alles genau ∫o, wie es ≡< zugetragen hatte, und der erwiderte, da mü≈e er leider zu≠immen, es gäbe nun keinen anderen Weg mehr, S<lingel hin oder her, er als Vater mü≈e die∫en Taugeni<ts dann eben au< no< vom Flu<e der Armut erlö∫en, ∫o wolle es nun einmal Gott. Als zukünftiger S<wieger∫ohn des rei<en Bauern konnte er jedenfalls ∫o ni<t mehr herumlaufen, und weil die∫er Lümmel ≡< als dur<aus ge∫<ma>s∫i<er erwies und wenn ∫<on, dann au< ganz fein heraus≠a≤iert werden wollte, ∫ah er auf der Ho<zeit tat∫ä<li< aus wie ein e<ter Prinz. Für die töri<te Oda aber blieb er das auf immerdar und war ihr ein ∫<öner Gatte, wenn er au< ∫on≠ no< ∫o einiges daneben betrieb. Allein, einen be≈eren als einen zum Prinzen verwandelten S<lingel hätte ≡e ohnehin ni<t finden können, und ∫o ∫agte ≡e ≡<, daß es wirkli< klug von ihr gewe∫en war, ihn zum großen Herren freigeküßt zu haben.
2. Die ∫ieben Schwe∫tern
Man kann ∫agen, was man will, aber oft ≡nd es re<te Kleinigkeiten, die dem Leben wohlhabender Herr∫<aften er≠ eine gewi≈e Würze verleihen, wohingegen es bei armen Leuten ∫<on ziemli< ho< hergehen muß, bevor es auffällt. Bei der na<folgenden Begebenheit tri≤t beides zu∫ammen, und es i≠ der einen Kleinigkeit, was der anderen Da∫ein ganz verändert. Dies i≠ wahrli< das S<ön≠e, was man aus einer Ge∫<i<te erfahren kann, wann und wo au< immer ≡e ≡< mag zugetragen haben.
Vor langer Zeit lebte im Sä<≡∫<en ein kraft≠ro≥ender Ritter, der allem na<jagte, was da kreu<te und fleu<te, und ∫ei es au< nur eine ∫<neeweiße Hindin, und dabei einmal tief im Walde auf ein ∫<neeweißes Wün∫<elweiblein traf, das im abgelegenen Tei<e ≡< alles reinwu∫<. Bei ihrem tugendrei<en Anbli>e, namentli< in ∫ol<em Zu≠ande, frug ≡< der Ritter, ob ≡< ∫<neeweiße Hindinnen in der Abge∫<iedenheit ∫oglei< in Wün∫<elweiblein verwandelten oder umgekehrt. Daß er darauf keine Antwort fand, ∫<erte ihn in ∫einem Feuer jedo< ni<t ∫onderli<, ∫o engelhaft bli≥te und ≠rahlte die edle Haut. Ja, die Jungfrau ∫<ien ihm geradezu ins Paradiesli<t eingetau<t, oder eher aus ihm emporgehoben. Auf der Stelle entledigte er ≡< ∫einer Ritterstra<t und ∫prang zu ihr ins fla<e Wa≈er, um ≡< mir ni<ts, dir ni<ts mit ihr zu vereinigen, denn allzu unwider≠ehli< war der Reiz ihrer natürli<en Blöße, und allzu ∫ehr von ≡< eingenommen war er ∫elb≠, wogegen ni<t einmal ∫ein kindli<er Chri≠englauben etwas konnte. Na<dem au< die∫e Sünde vollbra<t war, freute er ≡<, der S<neeweißen mitteilen zu können, daß er kein ∫<li<ter Jägersmann ∫ei, ∫ondern ein gar prä<tiger S<loßherr, und zu ihrem Glü>e ∫oglei< ein Angebot unterbreiten wolle, das kein Ge∫<öpf, ∫ei’s der Erde, ∫ei’s des Himmels, würde aus∫<lagen können, und wäre es die ≡tt∫ame Sieben∫<ön. Ohne zu zögern verließ das Wün∫<elweib den heimi∫<en Wald, ging es ∫<ließli< darum, S<loßherrin zu werden. Kaum war ≡e ihrer er≠en Kindlein entbunden, deren glei< ∫<neeweiße ≡eben waren, vertau∫<te ≡e jemand mit ≡eben anderen – der Sage na< war es die bö∫e S<wiegermutter – die Tau∫<linge oder We<∫elbälger allerdings von ganz fin≠erer Hautfarbe, und mithin dem nubi∫<en Eunu<en aufs Kraushaar glei<end, denn einen weiteren Dunkelmann gab es auf dem S<loße ni<t. Der Ritter ∫agte ≡<, daß die Zauberkün≠e ∫einer Gemahlin o≤enkundig ∫elb≠ Ver∫<nittene aufzuri<ten in der Lage waren, ha>te die∫em in ∫einer Wut no< den Stumpf ab und erniedrigte jene zur Kü<enmaid, wenn ≡e nun ∫<on mit gemeinem Volk Umgang pflegte. Viellei<t war das ja au< die eigentli<e Be≠immung die∫er im Walde Aufgele∫enen. Zum Abtro>nen der zahlrei<en S<ü≈eln und Näpfe verwies der Grau∫ame ≡e auf ihr hö<≠eigenes Haar, das no< güldener glänzte als des S<loßes Topflappen. Die vertau∫<ten Ritterskinder wu<∫en unterde≈en in beklagenswerter Armut auf, behielten dabei aber ihre feine Art und waren deshalb von klein auf ∫o auf Glitter und Goldkram aus, daß ≡e, kaum herangewa<∫en, ≡< beim un∫erem Ritter als Höflinge verdingten, was der vergrei∫enden bö∫en S<wiegermutter freili< entging und ≡e au< ni<t hätte verhindern können. Der alternde Ritter hingegen erfreute ≡< die∫er ∫<neeweißen Verderbtheiten immer mehr, und ob∫<on es Knaben waren, gewann er ≡e am Ende ∫o lieb, daß er ≡e zu ∫einen Gün≠lingen erklärte. So kam do< ungewollt alles wieder zum Guten, und im zu neuem Leben erwe>ten S<loße quiet∫<ten und vergnügten ≡< nun ≡eben Dunkle und ≡eben Helle um die Wette, eine kunterbunte S<ar, und vom S<i>∫ale derart dur<einandergebra<t, daß niemand wußte, wer das eine und wer das andere war. Der Ritter ∫<rieb das fäl∫<li< der alleinigen Gnade ∫einer Gemahlin zu, do< folgte dur<aus dem Ge∫e≥e der Natur, als er ≡e reumütig und bekehrt des Kü<endien≠es enthob. Die bö∫e S<wiegermutter ihrer∫eits war gegen Ende des Lebens zu ni<ts anderem mehr nu≥e als zu Qua>elei und Abwa∫<. So ge∫<ah ihr na< dem Propheten∫pru<: Nur das La∫ter heilt das La∫ter.
3. Der kleine Säumling
Es war einmal ein armer Häusler, der kaum wußte, wie er ≡< und ∫eine Frau ernähren ∫ollte, und hatte ∫<on ∫e<s Tö<ter. Da kam ∫eine Alte na< Jahren no< einmal in gute – in die∫em Falle muß man eher ∫agen: ∫<le<te – Ho≤nung, und gebar ihm ein ≡ebentes Kind. Und obzwar er ≡< freute, daß es ein Knabe war, der glei< na< Herzenskräften krähte, wurde er do< au< ∫ehr verzweifelt, denn der Säugling war ∫ehr klein, und der Häusler wußte aus Erfahrung, daß gerade ∫ol<e oftmals Mäul<en haben, die no< ∫<werer zu ≠opfen ≡nd als die von ∫e<s Tö<tern zu∫ammen, wel<e immerhin auf ihre Linie a<ten. „Was ma<en wir nur mit dem kleinen Säumling?“ rief er wieder und wieder aus, und damit hatte der Na<zügler au< ∫<on ∫einen Namen. Dies hörte eine Fee, die gerade an der Kate vorbeikam, und ∫o klopfte ≡e an. Der Häusler ö≤nete die verfallende Tür, und die ∫<öne Frau fragte, was denn Ent∫e∑li<es ge∫<ehen ∫ei, denn ≡e hätte ∫ein Klagen gehört. Daß die Wände ni<ts wert ≡nd, weiß i< ∫elb≠, da<te ≡< der arme Vater und ∫agte: „I< Unglü>srabe habe ∫<on ∫e<s Tö<ter, und als ob das ni<t genug wäre, hat mir der Herr nun au< no< einen winzigen Säumling ge∫<i>t.“ Die Fee entgegnete: „Laßt mi< nur ge∫<wind herein, guter Mann, i< will des Knäbleins Patin ∫ein.“ Der Häusler ∫<öpfte wieder Vertrauen in die göttli<e Vor∫ehung und geleitete die Fee zu dem Napf, der dem Säumling zur Wiege diente. Sie beugte ≡< tief über ihn und flü≠erte: „I< bin nur eine einfa<e Fee und kann dir als Patenge∫<enk leider ni<ts weiter als eine Wün∫<elrute geben. Und man darf ≡< damit nur etwas Kluges wün∫<en, denn wer ≡< Dummheiten wün∫<t, an dem rä<t es ≡<.“ Darauf zog ≡e das arm∫elige De><en ab und legte die Hand auf das Bäu<lein des Knaben, und der wurde mu>smäu∫<en≠ill, als ob er ver≠anden hätte, do< tat∫ä<li< wurde es ihm nur untenherum angenehm warm. Na< einer kurzen Weile verab∫<iedete ≡< die Fee. Der Häusler, der mehr erwartet hatte, war indes vom Leben insge∫amt ∫o enttäu∫<t, daß er ≡< ni<t beklagte. Der Säumling hatte jedenfalls ∫eine Wün∫<elrute bekommen, und weil es im Häuslerhaushalt an Spielzeug mangelte, blieb ihm von Kindesbeinen an nur die∫e eine, um ≡< damit ein geringes zu vergnügen. Und über die Jahre, vor allem aber, als er zwar nur ein klein wenig, aber do< immerhin zu einer Art von flaumbewehrtem Jüngling herangewa<∫en war, wurde er äußer≠ gewandt im Umgange mit der Rute. Denno< wußte er nie, was er ≡< wün∫<en ∫ollte, denn ≡< etwas Kluges damit zu wün∫<en, fiel ihm wie ∫o vielen anderen einfa< ni<t ein, und vor dem Wun∫<e einer Dummheit war er ja ∫<on früh gewarnt worden. So blieb es allzeit nur beim fru<tlo∫en Spiele, die∫es freili< oft mehrmals tägli<. Die ∫e<s Mäd<en, die ihr Brüder<en mehr als einmal dabei überra∫<ten, nahmen es ihm nie übel, ∫ondern ∫pornten ihn ki<ernd und händeklat∫<end an, ja ∫pielten ni<t ∫elten ein wenig mit, was dann ≠ets zu einer be∫onderen Freude wurde, die allerdings kaum das Maß des allgemein S<i>li<en über∫<ritt.
Als der inzwi∫<en wohl bald a<tzehnjährige Säumling wieder einmal auf dem Felde mit ∫einer Rute zugange war, vernahm er vom Dorfpla∑ her die dröhnende Stimme des Herolds, der eine Bekanntma<ung vorlas, derzufolge der König für ∫eine einzige To<ter einen Gemahl ∫u<e, wobei ≡< jeder melden könne, der etwas anzubieten habe. Die Prinze∫≡n würde dann ∫elb≠ ent∫<eiden. Er ∫ei als Ausrufer aber nur der Voll≠ändigkeit halber au< in die∫en verwun∫<enen Winkel gekommen, denn an Edelleuten und großen Herren hätten ≡< ∫<on genügend lautbar gema<t.
Derweil ritten al∫o alle Edelleute und großen Herren in die Haupt≠adt, ≠ellten ≡< in einer langen Reihe an und erzählten von ihren Rei<tümern und Heldentaten. Aber es war nie genug für die∫e Prinze∫≡n, die übrigens jeder im Rei<e nur das nämli<e Prinzeßchen nannte, denn ∫o zartgliedrig und heikel war ≡e, und zudem als ∫ehr ge∫<mä>leri∫< bekannt. Wenn ≡< ∫<on ∫o viele nu∑los an≠ellen, da<te ≡< der Säumling, dann gehe i< auf S<u≠ers Rappen eben au< in die Haupt≠adt und will mit dabei ∫ein. Mehr als ablehnen kann ≡e mi< ni<t, und dann bin i< ja in be≠er Ge∫ell∫<aft. Das kam, weil ihn der Be≡∑ einer Wün∫<elrute von frühauf ∫ehr ke> gema<t hatte, ob∫<on ihm nie eingefallen war, was er ≡< damit hätte wün∫<en können. Als er tat∫ä<li< an der Reihe war, ∫<aute das nämli<e Prinzeß<en den kleinen Säumling er≠aunt an, do< der erklärte ≡< frohen Mutes und ganz frei heraus. „A<, wie will≠ du kli∑ekleiner Häuslersbur∫< denn eine Prinze∫≡n beglü>en und ∫o kö≠li< ernähren, wie ≡e es nun einmal gewohnt i≠?“ entgegnete die König≠o<ter. Un∫er Säumling ließ ≡< ni<t ein∫<ü<tern und meinte: „Bin zwar nur ein armer Häuslersbur∫<, do< habe eine Wün∫<elrute.“ Und das kam davon, daß der Be≡∑ einer ∫ol<en einen Knaben ni<t nur ke> werden läßt, ∫ondern ≡< die∫e zu gegebenem Zeitpunkt au< in Erinnerung zu rufen weiß, und der Säumling herzhaft ge∫pürt hatte, wie ≡e in Gegenwart des zartgliedrigen und heiklen Prinzeß<ens er≠aunli<e An≠alten ma<te und unbedingt hervorgeholt werden wollte. „Soll i< ≡e Eu< einmal zeigen?“ frug der Knabe, und das Prinzeß<en erwiderte: „Nun, dann zeige ≡e mir eben, du dummer Junge!“ Al∫o knöpfte er ≡< den La∑ auf und zeigte ≡e ihr. Und weil der Säumling ∫o dur<aus kleinwü<≡g war, wirkte ≡e an ihm be∫onders mä<tig. Und als das Prinzeß<en ∫ehr errötete und na<fragte, ob wohl alle Wün∫<elruten die∫er Art ∫eien, denn ≡e hatte no< keine andere in ihrem Leben ge∫ehen, wurde die ∫eine no< größer und ∫<öner und fing unter ihren neugierigen Bli>en regelre<t zu klopfen an, in∫ofern eine derart intere∫≡erte Frage von Seiten einer Hüb∫<en, ob nun Prinze∫≡n oder ni<t, den Bür∫<lein do< ≠ets ∫ehr gefällt. Da der Säumling ∫elb≠ nur S<we≠ern hatte, war er zwar ebenfalls no< keiner anderen als der ∫einigen begegnet, aber ∫agte fri∫< darauf los: „Fürwahr, Euer Gnaden, einzig die meine i≠ ∫o ∫<ön!“ Er wollte die Prinze∫≡n ni<t anlügen, aber das kam davon, daß er’s in die∫em Augenbli>e wirkli< da<te. Er wußte nämli< ni<t, daß die Fee no< an vielen anderen Hütten und ∫ogar an Palä≠en vorbeigekommen und die Patin vieler anderer Knaben war, die ausnahmslos eine bild∫<öne Wün∫<elrute von ihr erhalten hatten, und es nur eines der Geheimni≈e die∫er Ruten i≠, daß jeder denkt, ∫eine ∫ei wahrli< die herrli<≠e von allen, es aber mei≠ens ni<t ∫agt. Er allein war in ∫einer Einfalt überzeugt genug, ∫ein Rütlein glei< vorzuzeigen. Na< einer Weile murmelte die Prinze∫≡n, ob ≡e ≡< denn nun au< etwas wün∫<en dürfe, und wurde dabei no< viel röter. Der Säumling da<te bei ≡<, ei, nun ∫<ämt ≡e ≡<, die große Dame, dazu hab i< ≡e gebra<t, ∫<aute kurz auf ∫eine Rute, und die∫e nahm die Antwort ∫<on vorweg. „Stehe Euer Ho<wohlgeboren zu Dien≠en!“ murmelte er zurü>, „do< es muß etwas Kluges ∫ein, denn ∫on≠ rä<t es ≡<!“ „Du bi≠ mir aber einer!“ entgegnete das nämli<e Prinzeß<en, das ∫eine Contenance wiedergefunden hatte. „Weiß ∫o jemand wie du denn ni<t, daß alle Wün∫<e einer Königsto<ter klug ≡nd? Wofür ∫on≠ hat ≡e den König zum Vater?“ Da meinte der Knabe, dann dürfe ≡e ≡< gerne wün∫<en, was ≡e wolle, mü≈e dazu die Rute jedo< ∫elb≠ in die Hand nehmen. Das hatte die Fee zwar ni<t zur Bedingung gema<t, war ihm aber einfa< ∫o eingefallen; ∫<aden konnte es jedenfalls ni<t, das wußte er ∫<on von ∫einen S<we≠er<en her. Und ∫o ≠re>te das Prinzeß<en ihr ∫<neeweißes Händ<en aus und ergri≤ zum er≠en Male in ihrem prinzli<en Da∫ein eine der am Ende fa≠ purpurnen Wün∫<elruten, und ging dabei ∫o zart und glei<zeitig ent∫<ieden vor, daß die∫e davon no< viel kräftiger, farbenfroher und glänzender wurde, als ≡e ohnehin ∫<on war. Ein e<tes Wunder, ∫agte ≡< die Prinze∫≡n, und bevor ≡e ihren Wun∫< äußerte, ging ≡e ganz nahe heran und ro< ein wenig daran, weil ≡e do< ∫o dur<aus heikel war, aber es behagte ihr er≠aunli<erwei∫e denno<. Und ∫o tat ≡e den Wun∫< mit ihrem blutroten Munde, und damit er au< ≡<er in Erfüllung ginge, geradewegs in die Wün∫<elrute hinein. Daß ≡e dann wirkli< ∫ofort erhöret ward, lag nur no< am kleinen Säumling, der wiederum ∫einer Rute vertraute. Das nämli<e Prinzeß<en freili< war hinterher ganz außer Atem gekommen, und au< der Häuslersbur∫< war etwas er∫<öpft, ∫eine Wün∫<elrute allerdings no< ni<t. Und weil das Prinzeß<en wußte, daß aller guten Wün∫<e immer drei ≡nd, wün∫<te ≡e ≡< no< zweimal das∫elbe, und au< das erfüllte ≡<. Zu einem vierten Wun∫<e wäre die Rute aber dann do< zu verausgabt gewe∫en; davor mußte ≡e zuer≠ wieder zu Kräften kommen. „A<, du lieber kleiner Häuslersbur∫<, du ver≠eh≠ mi< jedenfalls ganz er≠aunli< zu beglü>en und au< ∫ehr kö≠li< zu ernähren, für alles andere mag der Vater ∫orgen!“ hau<te die Prinze∫≡n, und die Ho<zeit war dann nur no< eine Formalität. Der König, der ∫elb≠ keinen Sohn hatte, war ohnehin nur no< auf einen Enkel∫ohn aus, egal von wem, und ∫eine To<ter hatte ihn mit ihrem Glanz in den Äuglein im Nu überzeugt. Er≠ als die ∫e<s S<we≠ern des je∑igen Prinzgemahls, alldieweil nun ebenfalls Teil des königli<en Haushalts, ∫ämtli< mit e<ten Edelmännern verbunden waren, erfuhr der kleine Säumling von ihnen – freili< bloß unter vorgehaltener Hand – daß ∫elb≠ ∫ol<e man<mal wunder∫<öne Wün∫<elruten hatten, nur leider zu wohlerzogen waren, ≡e no< vor ihrem Gold und Geld und ∫on≠igen Be≡∑tümern, und no< vor der Erwähnung ihrer Heldentaten, einer Königsto<ter vorzuzeigen. Wie gut, daß er ∫elb≠ ni<ts anderes be∫aß, was er hätte prä∫entieren können, ∫agte ≡< der kleine Säumling, und der Prinze∫≡n deshalb etwas dargeboten hatte, was no< keinem vor ihm ∫o direkt in den Sinn gekommen war, und daß es ≡< do< zuweilen als ∫ehr gut für den weiteren Fortgang im Leben erwei∫e, als unbedarfter kleiner Häuslersbur∫< mit ni<t mehr als einer groben drei≠en Wün∫<elrute aufgewa<∫en zu ∫ein.
4. Hän∫el ohne Gretel
Der junge Hän∫el ging einmal mehr mit ∫einer Freundin, der Gretel, in den tiefen Wald, denn nur dort konnten ≡e unge≠ört und na< Herzenslu≠ miteinander ∫pielen. Sie wollten ≡< ∫<on in das Gras einer Li<tung legen, als Gretel dur< die Tannen ein rotes Lebku<enhaus erkannte. Da bekam ≡e auf Lebku<en no< mehr Appetit als auf Hän∫el, und ∫o ∫agte ≡e zu ihm: „Gehen wir er≠ no< ein paar Lebku<en mau∫en! Küß<en geben können wir uns hinterher immer no<, die ∫<me>en feiner mit Ku<en im Mund.“ Und weil die beiden no< ∫o kindli< waren, gingen ≡e zu dem Häus<en und mau≠en. Als die Be≡∑erin, freili< eine alte Hex, es bemerkte, fiel den beiden bloß die Albern≠e aller Ent∫<uldigungen ein, die ≡e au< no< im Sing∫ang vortrugen. Und weil ein kindli<es Gemüt ∫ogar Hexen berührt, ∫agte die nur: „Kommt do< herein, es i≠ gemütli<er, bei mir drinnen feinen Lebku<en zu futtern.“ Als die beiden ∫ehr ge∫ättigt waren, wollten ≡e wieder gehen, aber die Hexe hielt ≡e zurü>: „Wollt ihr jeden Tag ∫o le>er ∫pei∫en, müßt ihr bleiben. Und du, meine Kleine, hab nur keine Ang≠; i< verve∫pere deinen Hän∫el er≠, wenn der au< für mi< ein Mann geworden i≠. An minderjährigem Gemü∫e vergreife i< mi< ni<t, das i≠ mir nämli< zu unergiebig.“ Da ∫agte der unreife Hän∫el zu Gretel: „Falls ≡e mi< er≠ auffre≈en will, wenn i< ein Mann für ≡e geworden bin, i≠ no< Zeit. Da können wir ja no< bleiben und jeden Tag Lebku<en haben, bevor wir uns davonma<en. Zuhau∫e bei den Eltern i≠ es eh ni<t mehr ∫o ∫<ön, gell?“ Und ∫o blieben ≡e und durften tägli< feine Plä∑<en e≈en, da die der alten Hex niemals ausgingen. Jeden Freitag freili< ∫<aute ≡e na<, ob Hän∫el nun ∫<on ein Mann für ≡e geworden war. Dazu ta≠ete ≡e ihm dur< ∫ein o≤enes Läd<en das elfte Finger<en ab. Wollte wi≈en, ob es ∫<on di> und fei≠ wurde. Gretel aber mußte au< mithelfen. Mußte ihr Hemd<en aufknöpfen und ∫o vor Hän∫el allerlei Tänz<en veran≠alten, damit der etwas Hüb∫<es zu ∫ehen bekam, während die Hexe an ihm grab∫<te. Hän∫el ∫<loß dabei ≠ets brav die Augen, und ∫o blieb das Finger<en mager, do< fiel ihm das zunehmend ∫<werer, denn allmähli< hatte der tägli<e Ku<en ∫eine Gretel unterm Hals derart zunehmen la≈en, daß ihm das Weg∫<auen kaum no< gelang, hüpfte das alles ∫o hüb∫< vor ihm auf und ab. Deshalb ∫agte er eines Tages zu ihr: „A<, Gretel, es i≠ Zeit, du mußt gehen, ∫on≠ verve∫pert mi< die Hex. Wenn i< di< tanzen ∫ehe, kann i< mi< bald ni<t mehr zurü>halten. Und wer hat dann was davon? Einzig die Alte.“ Gretel runzelte die Stirn: “A<, ∫o i≠ es al∫o meine S<uld! Soll i< ≡e mir denn ab∫<neiden?“ Die Natur kommt zwi∫<en den Ge∫<le<tern ∫<ließli< immer hervor, und ∫o war es au< hier. „Es i≠ ni<t unbedingt deine S<uld, daß wir je∑t keine Kinder mehr ≡nd“, ver∫u<te Hän∫el ≡e zu be∫änftigten, do< das klang ∫o halbherzig, daß Gretel immer no< bö∫e war und mit tief herabgezogenen Brauen erwiderte: „Wenn i< di< re<t ver≠anden habe, mein Freund, ∫oll i< allein fliehen.“ Hän∫el ni>te. „Weißt du, wenn du ni<t mehr da bi≠, wird au< mein Finger<en ni<t mehr fett und es be≠eht keine Gefahr mehr für mi<. Und ∫olange i< jeden Tag Lebku<en e≈en kann... ∫oviel Kind bin i< halt immer no<.“ Und ∫o war Gretel eines Morgens ver∫<wunden. Künftig hatte Hän∫el nur no< die Hexe vor ≡<, wenn es ums Beta≠en ging. Der ∫<aute er dann ≠ets auf die di>e Warze im Ge≡<t. Und weil die∫e ihm die beiden dunkelroten, die ∫einer Gretel vorne gewa<∫en waren, beileibe ni<t er∫e∑en konnte, ging es no< eine ganze Weile gut. Eines Tages allerdings, weiß der Himmel warum, walkte die Hexe wieder einmal ∫o an ∫einem Finger<en herum und er konnte ∫<auen, wohin er wollte, es wurde einfa< fei≠ und di>. Er hatte ≡< wohl zu ∫ehr an den Anbli> gewöhnt. Da ∫agte die Hexe: „Je∑t bi≠ du ein Mann für mi< geworden und i< mag di< verve∫pern.“ Er mußte ≡< in das Hexenbett legen und die Alte ≠ieg über ihn. Als ≡e jedo< oben war, verwandelte ≡e ≡< keineswegs in eine ∫<öne Prinze∫≡n, ∫ondern blieb die alte Hexe, die ≡e ∫<on vorher war, nur fand Hän∫el ≡e plö∑li< ganz anmutig. Und ∫o da<te er ≡<, wenn der Teufel in der Not Fliegen frißt, geht es mir do< im Grunde no< ganz gut, denn i< kriege immerhin Lebku<en. Und wie er dann ∫o neben ihr lag und eine S<okoladenzigarette ∫<mau<te, fragte er ∫eine Hexe, wie es denn nun weitergehen ∫olle mit ihnen. Die Hexe erwiderte, es gehe gerade ∫o weiter wie zuvor. Nur Freitag ∫ei künftig eben Ve∫pertag. Hän∫el war es zufrieden, do< auf einmal rief es aus: „Und mein Gretel? Was aus der wohl geworden i≠.“ Die Hexe la<te auf: „Ja, je∑t erinner≠ du di< an ≡e! A<, dein Gretel mit den runden Brü≠en hat mir ihr Leid no< am ∫elben Tag gebei<tet. I< hab ihr darauf ein rotes Käpp<en ge∫<enkt und ihr die Ri<tung gewie∫en. Sie hat nun ∫<on mehrere Kinder mit Herrn Wolf zu∫ammen. Je∑t, da au< wir ein Paar ≡nd, können wir ≡e ∫onntags ja be∫u<en.“
5. Von Hoffart und dem derben Rupert
Es war einmal ein rei<er, ver≠ändiger und herzensguter Edelmann, der freili< mit einer To<ter ge∫<lagen war, die zwar ∫ehr viel S<önheit, aber re<t wenig Klugheit be∫aß, und dazu ∫ol< unbändigen Dünkel, daß ihr nie etwas re<t war. Eine gewi≈e Dummheit ∫<adet bei einer S<önen bekanntli< ni<t, aber daß ihr au< die Ho≤art ni<t ∫<adet, erfahren wir er≠ no<. Wie ∫olle er die jemals unter die Haube bringen, grämte ≡< der Edelmann, do< kommt Zeit, kommt Rat. Und in der Tat gefiel es dem Allmä<tigen, ihr zum ≡ebzehnten Geburtstag eine Lebenslehre zukommen zu la≈en, und als ∫ein Werkzeug ent∫andte er ihr einen Grafen als Ga≠. Der war no< viel rei<er, ver≠ändiger und edler als ihr Vater, do< de≈en Ge∫<enk – eine ∫eltene Dornenro∫e – behagte ihr denno< ni<t, man ∫ah’s an ihrer pikierten Miene. Soglei< erkannte der Graf das Mäd<en, ging ≠ra>s zum Vater und begehrte ≡e zur Frau. Der willigte freudig ein, do< als er ∫einer To<ter beri<tete, was er mit dem Grafen heimli< ausgema<t hatte, war es ihr wieder ni<t re<t. Zum allerer≠en Male erhielt ≡e diesmal eine Maul∫<elle, und der zermürbte Vater ∫agte: „Je∑t i≠ genug. Den nimm≠ du!“ S<mollend mußte ≡e gehor<en, und eine wahrli< großartige Ho<zeit ward ausgeri<tet, was ≡e allerdings ziemli< hinterwäldleri∫< fand.
Als ≡e zu des Grafen S<loß kam, war dort alles ganz herrli<, do< hatte ≡e na< ihrer Art das eine oder andere denno< auszu∫e∑en. Ihr Gemahl hörte ≡< die Be∫<werden ruhig an und erklärte am Ende, denn ≡e war ja ∫o dur<aus ∫<ön anzu∫<auen, er wolle ihr nun das vorzügli<≠e Kleid geben, das auf der Welt je ge∫<neidert worden ∫ei, und woran ≡e ≡<erli< ni<ts zu bemäkeln habe. Sie blieb mißtraui∫<, war aber au< ge∫pannt, und fügte ≡< folgli<, wennglei< unwir∫< und ∫ehr um≠ändli<, als er ≡e bat, ≡< vor ihm artig auszukleiden, damit er ihr das neue Gewand über≠reifen könne. Als ≡e endli< ∫plitterna>t vor ihm ≠and, denn ∫o, ni<t anders, wollte er ≡e, trat er bedä<tig um ≡e herum, betra<tete ≡e derart eingiebig, daß ≡e ≠umm auf≠ampfte, und entnahm einer ≡lbernen Truhe dann behut∫am ein Kleid, das tat∫ä<li< aus ∫o feiner Seide war, wie es ≡e ∫on≠ nirgends auf der Welt gibt, aber mithin au< ganz dur<≡<tig, ja fa≠ un≡<tbar. Sie ∫<aute in den güldenen Spiegel und fand es bei ≡< wunder∫<ön, fand au<, daß ihre Formen darin ∫ehr ∫<ön zur Geltung kamen, do< ∫agte, ∫o könne ≡e ≡< do< ni<t zeigen, denn ein Re≠ S<amgefühl, das wußte ≡e, ≠and au< einer Gräfin gut an. Allein der Graf, der einer ≠rengen, jedo< glei<zeitig ∫o liebevollen wie be≠immten Spra<e mä<tig war, daß die S<önen ≡e be∫onders gut ver≠ehen, überzeugte ≡e davon, daß das Kleid nur für ≡e und ihn dur<≡<tig ∫ei, für alle minderen Leute aber völlig undur<≡<tig. Und dann führte er ≡e in die∫em Kleide vor eine un∫<einbare Kammer und ∫agte, alle Türen im S<lo≈e ≠ünden ihr o≤en, bloß die∫e eine kleine Kammertür ni<t, denn zu wi≈en, was dahinter ∫ei, würde ihr ni<t guttun. Lei<thin ver∫pra< ∫ie, es zu beherzigen. Am ∫elbigen Abend no< aber hatte der Graf zu einer großen Ge∫ell∫<aft geladen, und ∫ehr ≠olz in ihrem wunderbaren ganz dur<≡<tigen, ja fa≠ un≡<tbaren Kleide trat die junge Gräfin unter die Menge, zwar mit etwas gelangweiltem Ge≡<tsausdru>, jedo< des fe≠en Glaubens, de≈en Sto≤ ∫ei für fremde Augen undur<dringbar. Und obzwar dem ni<t ∫o war, denn der Gatte hatte es ihr ja nur eingeredet, fiel der S<önen ni<ts auf. Denn ∫o noble Gä≠e wi≈en, wie ≡e ≡< zu benehmen haben, und au< deren Diener∫<aft errötete nur ∫o wenig, daß es niemand merkte. Do< da<ten alle bei ≡<, ∫o von ≡< eingenommen i≠ die junge Frau Gräfin al∫o, daß ≡e ihre Reize glei< jedermann aufdrängt und dazu nur ein bla≡ertes Ge≡<t ma<t.
Tags darauf wollte ≡e ≡< dann do< die verbotene Kammer an∫ehen, denn ver∫pre<en mo<te ≡e viel, aber verbieten ließ ≡e ≡< ni<ts. Kaum daß ihr Gatte ausgeritten war zur Jagd, ö≤nete ≡e die Tür. Sie war verblü≤t, wie lei<t das ging, do< au< enttäu∫<t. Denn es war nur eine gewöhnli<e Rumpelkammer, in der ein Bo> und allerlei Gerät∫<aften ≠anden. Sie trat näher und fand Peit∫<<en und Peit∫<en, Gert<en und Gerten, Riem<en und Riemen, ∫owie Stö><en und Stö>e. „Was er da ∫o alles aufbewahrt, der Lümmel!“ flü≠erte ≡e bei ≡<. Aber warum i≠ er nur ∫o prüde, da<te ≡e, warum ∫oll i< das denn ni<t ∫ehen dürfen? Es wird für die armen Bedien≠eten ∫ein. Und ≡e ver∫pra< ≡< ∫elb≠, es ∫o einzuri<ten, daß ≡e demnä<≠ au< würde dabei ∫ein dürfen. Unter die∫em Gedanken wurde ihr ganz heiß. In der Na<t, als der Graf ihr beiwohnte, kam die Erinnerung in ihr ho<, und wie ≡e die Dinge, die ≡e ge∫ehen hatte, im Blondkopf Revue pa∫≡eren ließ, entfuhr ihr unwillentli< ein er≠aunli<er Lu≠∫<rei. Ihr Gatte, ∫<arf≡nnig genug zu vermuten, daß ≡e ihm ungehor∫am gewe∫en war, zog ≡< umgehend aus ihr zurü>, ≠emmte ≡< auf und rief donnernd aus: „Ha≠ du etwa in die Kammer ge∫<aut?“ Die Gattin biß ≡< auf ihre blutroten Lippen, do< entgegnete ∫<arf: „Na, und wenn es ∫o wäre? Was du ∫o für Geheimni≈e ha≠!“ Da verabrei<te der Graf ihr zwei deftige Maul∫<ellen – das waren die zweite und dritte in ihrem Leben – zerrte ≡e, gerade ∫o glühend und na>end, wie ≡e war, an den Haaren in die Kammer hinüber und meinte dort höhni∫<: „Wenn du ∫<on ∫o wunderfi∑ig bi≠, darf≠ du au< mit allem Bekannt∫<aft ma<en!“ Daraufhin pa>te er die ≡< hilflos Windende auf den Bo>, zurrte die hell S<reiende darauf fe≠ und erprobte an ihr augenbli>li< fa≠ ∫ämtli<e Gerät∫<aften, Peit∫<<en und Peit∫<en, Gert<en und Gerten, Riem<en und Riemen, ∫owie Stö><en und Stö>e, bis ≡e überall ganz grün und blau war, und ihr ∫o entzü>ender kleiner und fe≠er Jungmäd<enhintern anfangs zwar nur wie die niedli<en Ba>fi∫<bä><en des Ge≡<tes etwas Farbe bekommen hatte, do< bald von einer Vielzahl feiner Striem<en und ≠rammer Striemen ge∫<mü>et ward, und hörte mit dem Verzieren er≠ auf, als die Gemahlin mit allem, was in der Kammer war, Bekann∫<aft ge∫<lo≈en hatte, außer einem le∑ten groben, ∫ehr knorrigen Sto>, den er ihr nur vor das neugierige Stupsnäs<en hielt: „Will≠ du den da au< no< kennenlernen, die fetten Hausmägde nennen ihn den derben Rupert, oder ha≠ du nun genug?“ Die Gezü<tigte ni>te kaum mit dem Kopf und hatte zum er≠en Male in ihrem Leben tat∫ä<li< an ni<ts mehr das allergering≠e auszu∫e∑en.
Des anderen Tages war wieder großer Empfang, diesmal mit allen Jägersleuten der Graf∫<aft, und da die Gräfin no< überall ∫ehr gezei<net war, freute es ≡e be∫onders, daß ihr Gewand für die∫e Men∫<en zum Glü> undur<≡<tig war. Die roten Wangen, die ≡e no< von den Maul∫<ellen hatte – ∫o ∫agte ≡e es ≡< zuminde≠ – gäben ihr ja ledigli< einen fri∫<en Teint. Leider waren die Jägersleute bei weitem ni<t ∫o di≠inguiert wie die Gä≠e des Vortags, und als die Gräfin gema< die S<loßtreppe herabwandelte, dabei auf ihre S<leppe a<tete und ≡< viermal umwandte, wunderte ≡e ≡<, wie viele do< das Maul auf∫perrten, die älteren unter ihnen ganz rote Augen bekamen und zu ∫<wi∑en begannen, und die Jägersfrauen, die ihr eigen S<i>∫al erkannten, alle∫amt ver∫<ämt zu ki<ern ∫<ienen. Zuer≠ nahm ≡e an, es ∫ei ihre überragende S<önheit, die die braven Leute ∫o verwirrte, fühlte, ob∫<on ni<t allzu klug, auf die Dauer aber dann do<, daß etwas ni<t ≠immen konnte mit dem Kleide. Sie hielt den langen Abend glei<wohl wa>er dur< und tanzte ∫ogar mit dem Oberfor≠mei≠er, der dabei ≠ändig griente und ihr mehrfa< ver∫ehentli< ∫o an die Striemen geriet, daß ≡e ≡< zurü>halten mußte, um ni<t wild aufzu∫<reien, denn ∫o weh tat ihr das no<. Später war ≡e dann dur< Zufall ein wenig betrunken, und gerade ∫o ∫ehr, um den Gatten in der Na<t zu fragen, ob man ni<t tro∑dem etwas ge∫ehen haben konnte bei ihr. Oder er ihr gar, wel< Grauen, es war gar ni<t auszudenken, etwa nur weisgema<t habe, ihr Gewand ∫ei für die anderen ganz und gar undur<≡<tig. Da la<te der Graf herzli< auf, liebko≠e ∫eine Gattin, wie er ≡e no< ni<t geliebko∫et hatte, und meinte zärtli<: „A<, mein Engel, du ha≠ ni<t nur die wü≠e Kammer ge∫ehen, ∫ondern es ≡nd dir davon au< die ∫<önen Blauäuglein aufgegangen... I< ∫agte ja, die Kammer tut dir ni<t gut! Dein Kleid i≠ freili< für alle Welt gerade ∫o dur<≡<tig als für di< und mi<!“ Ob nun aus na<trägli<er S<am, verle∑tem Stolz oder dem Zorne der Hintergangenen wurde die Gräfin jedenfalls au< no< überall puterrrot neben grün und blau, und zeterte in ihrem lei<ten Rau∫<e ∫o bö∫e mit dem Gemahl, daß der ≡e erneut auf ∫einen liebenden Armen in die Kammer tragen mußte, wo ihr zur Beruhigung alle pu∑igen blauen Male, dünnen Striem<en und di>en Striemen neu aufgefri∫<t wurden. Davon wurde ≡e butterwei< und halbwegs nü<tern, gelobte alles und ∫<wörte, ≡< fortan zu fügen. Als ≡e zurü> im S<lafgema< wieder etwas zu Kräften gekommen war, erö≤nete ≡e ≡< jedo< au< in der Beziehung, daß ≡e zugab, zum S<wören nur gezwungen zu ∫ein, wollte ≡e ni<t dauernd in die Kammer ver∫<leppt werden und zuweilen ihren bla≈en Ur∫prungsteint wiedererlangen. Einfa< fiele ihr die nachgebende Sanftmut freili< ni<t, es ge∫<ähe ihr do< alles wider den Willen, und der Oberfor≠mei≠er ∫ei eine Sau. S<ließli< war ihr na< wie vor nie etwas re<t, und ihr ∫<wer geprüfter Stolz na< außen hin ungebro<en – ∫elb≠ als auf ihren Hinweis au< die∫es vollbärtige Mon≠rum von Oberfor≠mei≠er öfters zu∫ehen und einmal ∫ogar den derben Rupert auf ihr wehrlo∫es Ge∫äßlein ∫<wingen durfte. Allein, kommt Zeit, kommt Rat, ∫agte ≡e ≡< dabei immer wieder, denn dies war der Lieblings∫pru< des Vaters gewe∫en. Und allmählich alterte au< ≡e, und das Zü<tigen und die kurze Demut wurden derart zur Gewohnheit, daß ihr Gemahl endli< da<te, lang∫am ma<e ≡e ihm ∫o keine Ehre mehr, und ihr ein ∫<weres weinrotes Brokatkleid ∫<enkte, das ihr zwar farbli< gut paßte, do< ni<t nur völlig undur<≡<tig war, ∫ondern au< ihre Formen verbarg wie ein Sa>. Das war ihr nun leider au< wieder ni<t re<t.
11. / 26. April 2021