jeudi 28 février 2013

Publikumsbeschimpfung



eil er unter den vielen Leuten nicht mehr so richtig zum Nachdenken kam, begab sich einer namens Simeon weit vor die Stadt und erklomm eine einzelne Säule, die als letzter Überrest eines heidnischen Tempels in der beginnenden Wüste stand.
Auf der winzigen Plattform richtete er sich ein und überlegte.
Der Regen, der ihm nächtens in den Mund fiel, stillte seinen Durst; den Hunger vergaß er.
Ein Hirt, der nach einem verlorenen Lämmlein suchte, erblickte ihn als erster und brachte die Nachricht zu Simeons ehemaligen Mitbürgern.
Bald fanden sich einzelne am Fuß der Säule ein und beteten. Er stand regungslos oben und dachte nach.
Immer mehr Menschen kamen, dann besonders auch kranke. Man führte Blinde heran, die ihre leeren Augen zu ihm hoben, trug Lahme herbei, damit sie die Säule berühren konnten, oder es kamen von bösem Auswuchs Verunstaltete und Aussätzige, die ihr wundes Fleisch am Marmor rieben. Dadurch wurden sie fast geheilt. Sie konnten zwar nicht etwa wieder sehen, oder gehen, oder verloren die Geschwülste und Pusteln, doch sie ertrugen ihr Leid fortan mit Gelassenheit.
Da Simeon inzwischen sehr abgenommen hatte, wünschten manche, des Himmels Gnade zu erwirken, indem sie dem heiligen Mann zu essen brachten. Sie spießten Brote auf Stangen und hielten sie ihm entgegen.
Die konkurrierenden Fladen, die vor seinen Augen schwankten, erinnerten ihn an den Hunger, den er schon vergessen hatte, und so begann er, hin und wieder nach einer der Stangen zu greifen, um sich einen Brocken abzubrechen. Schweigend kaute er und dachte dabei nach, so gut er noch konnte. Die Fäkalien aber, die nunmehr von der Säule herabfielen, wurden begierig aufgenommen, und vor allem von den Weibern als Reliquien in die Stadt getragen. Auf jede Darmentleerung folgte eine Prozession.
An Festtagen fand sich mittlerweile die halbe Stadt bei der Säule ein und sang Choräle.
Simeon wurde das Treiben unerträglich. Da hatte er es in der Stadt ja noch deutlich ruhiger gehabt. Nichts ist schlimmer als dumpfe Begeisterung, die zu einem in die Einsamkeit schallt.
Einmal erhob er die Stimme und rief der Menge wüste Schmähungen zu. Er war überrascht, dass er nach all der Nachdenkerei überhaupt noch sprechen konnte.
Die Menschen verstummten augenblicklich und fielen auf die Knie. Doch als er mit dem Schimpfen geendet hatte, begannen sie noch glühender zu singen, und der eine oder andere geißelte sich sogar und machte größeren Lärm als zuvor. Simeon sah ein, dass Worte keinen Sinn haben.
Es war allein die Zeit, die ihm zu Hilfe kam.
Nach und nach verloren nämlich viele die Lust, zu einem zu pilgern, der nur schwieg und sich die Ohren zuhielt, sobald man zu lobpreisen begann, und es wurde sozusagen zu einer Selbstverständlichkeit, dass vor der Stadt ein zerzauster Heiliger stand, der gegebenenfalls den Arzt ersetzen konnte. Den Kranken wiederum genügte es, die in allen Kirchen der Stadt ausgestellten Kristallkästchen mit den Reliquien darin zu küssen. Das war nicht ganz so ekelhaft und half ebenfalls.
Die Menschenansammlung unter der Säule dünnte also allmählich aus, und die, die noch kamen, wurden älter und älter, bis sie nacheinander das Zeitliche segneten. Eines Tages war der Mann erneut allein. Er kam nun wieder recht gut zum Nachdenken.
Doch was er auch herausfand, er musste es für sich behalten. Es brachte offenbar niemanden weiter, und nicht einmal ihn, der meist nur stocksteif unter einem gleichmütigen Himmel stand.
Als er keinen Zweifel mehr darüber hatte, dass Nachdenken zu nichts führt, und das Stehen auf einer einzelnen Säule, die in der beginnenden Wüste von einem heidnischen Tempel übrig geblieben ist, ebenfalls zu nichts, stieg er herab und begab sich zurück in die Stadt. Womöglich hatte er aber auch bloß Appetit auf ein Stück Fladenbrot.
Jedenfalls fiel es niemandem auf, keiner erkannte ihn, als er durch das Stadttor kam, er lebte künftig einfach wieder unter den Menschen und bettelte. Doch musste er nach einiger Zeit feststellen, dass das einzige, was den Städtern von dem Säulenheiligen im Gedächtnis geblieben war, jene Schmähworte waren, die er ihnen einst zugerufen hatte.
Kein Wunder, denn er hatte ja keine andere Weisheit von sich gegeben. Hatte er überhaupt eine andere gefunden? Diese eine hatte sich jedenfalls in den Köpfen festgesetzt. Ob ihm das als simpler Bettler zugute kam, wissen wir allerdings nicht.

26. Oktober 2010

mercredi 27 février 2013

Mimétisme

Il faut passer l’hiver d’une façon ou d’une autre.
Pour les ours ou les marmottes, c’est facile, éveillé c’est moins évident.

Profitons-en, promenons-nous dans la neige lorsqu’il y en a – voilà une idée de bon sens. Mais moi, l’hiver me rend aphone, et les promenades muettes, en canadienne, communiant avec les conditions hostiles, sont pour les aguerris mystiques dont, hélas, je ne fais pas partie.
J’hiberne donc sans hiberner, seulement engourdi, ne tirant nul profit de ce repos qui est nécessaire, paraît-il, à l’éternel retour du même, et dont de plus forts que moi savent faire quelque chose.

Moi, je ne sais rien en faire, de mon hiver à moi, qui est citadin et moche, un vrai hiver, pas des vacances d’hiver, et je me sens comme un bout de lui, hiver en ville, hiver moi-même, convaincu qu’on ne peut pas lutter contre soi avec ses propres armes, qu’en ville cette espèce de joute est impossible.
Or, les armes de l’hiver, c’est l’hiver. Que je vois, au mieux, scintiller sans bonheur, nu et à blanc comme lui, en m’identifiant à lui, seulement sans le moindre effet de parenté, sans la compensation du mimétisme.
Il est comme ça, il est juste comme moi, mon hiver à moi, recroquevillé, maladif, si affaibli qu’il peut prendre à tout moment un pauvre air comminatoire, pauvrement comminatoire, pas à sa place là où il se trouve, mais à ma place. Et je me dis, tant pis pour lui, puisqu’il faut bien le passer quelque part, cet hiver-là.


26 Février 2013

samedi 9 février 2013

Später Ratschlag

Ein bewegender Traum von alten Zeiten, allerdings ausgehend, wie es hätte ausgehen sollen. Das passiert ihm hin und wieder. Σαν σώματα ωραία νεκρών usw. Er wacht davon auf, fühlt sich sogar im Liegen ziemlich weich auf den Beinen, knipst das Licht an, und noch ganz erschüttert von der Tatsache, dass ihm nach Jahrzehnten endlich eine Vorgehensweise in den Sinn gekommen war, notiert er seinen Einfall.

Hätte er solche Träume nur auch schon damals gehabt, vielleicht hätten sie ihm ja genutzt. Doch man träumt keine praktischen Vorschläge, solange das Liebesobjekt und man selbst noch an der Tagesordnung ist. Und er hatte unglaublich begehrt in diesen Zeiten, konnte über das Objekt seiner Begierde aber nicht herfallen; das ging damals nicht und ging auch später kaum. Das Ergebnis war das Leben, das er hatte. Er hatte zwar das Reden gelernt – ja, hemmungslos ausdrücken konnte er sich mittlerweile – allein was Taten anging, musste man es ihm nach wie vor leicht machen. Manchmal wurde es ihm leicht gemacht – manchmal, selten genug, nicht wahr. Objekte der Begierde haben es eben nicht an sich, es den Begehrenden leicht zu machen. Und weil sein Leben so ist, wie es ist, hört er nicht auf, sich nach den Gründen für seine Zurückhaltung zu fragen und dummes Zeug zu träumen.

Feigheit ist diese Zurückhaltung nicht, denn er ist in vielen Dingen des Lebens nicht feig. Es scheint eine Art von Respekt dem Objekt der Begierde gegenüber – seine Art von Respekt, um sein Begehren zu zeigen. Man darf Objekte der Begierde jedoch nicht respektieren, das erwarten sie auch nicht, ganz im Gegenteil. Nichts auf der Erde erwartet, respektiert zu werden, und das weiß er eigentlich auch, nur hilft es ihm nicht. Es hilft ihm nicht darüber hinweg, durch besondere Zurückhaltung Begierde ausdrücken zu wollen.

Auch sein Geiz, was das Benutzen von Bildern angeht, rührt daher. Trotz ausufernder Phantasie. Dieses erste Objekt seiner Begierde hatte schon früh von seiner „Theorielastigkeit“ gesprochen. „Ausufernde Phantasie, aber theorielastig.“ Richtig ist, dass er auch damals schon versuchte, jeder jähen Überflutung, jeder inneren Naturkatastrophe, sofort einen Sinn abzugewinnen, und Objekte der Begierde so etwas selbstverständlich erkennen. Aber helfen wollen sie einem dennoch nicht. Objekte der Begierde werfen vor, und man kann nichts aus ihren berechtigten Vorwürfen machen. Man kann so wenig damit anfangen wie mit seiner berechtigten Begierde. Man muss geradezu den Eindruck bekommen, es ist der Begierde Berechtigung, dass man nichts damit anfangen kann.

Man kann nur versuchen, das Beste aus den Dingen zu machen. So, wie man aus dem Ding „Begierde“ das Beste gemacht hat, und aus dem Objekt selbst. Man hat schließlich viel daraus gemacht, vielleicht zu viel, nur: darüber hergefallen ist man nicht.

Der einzige Trost wäre, aber vermutlich ist es eine Ausrede, dass man letzten Endes einfach nicht genug begehrt hat, um nämlich gegen seinen Willen darüber herzufallen, oder dass das Objekt selbst, obwohl man so viel daraus gemacht hat, immer noch nicht viel genug war, also die Unzulänglichkeit im Objekt selbst lag. Ein beruhigender Gedanke; wozu hat man denn seine ausufernde Phantasie? Wer weiß, wie viele zu verpassenden Gelegenheiten jetzt noch warten, und wie viele Nächte für verspätete Lösungen bleiben.

3. Februar 2013 [Verflossene Liebschaften I]

vendredi 16 novembre 2012

Naturgerausche

Saß am Wasser und schwieg.

Es ist etwas anderes, ob man am Wasser sitzt und schweigt, oder am Wasser sitzt und quasselt. Sitzt man am Wasser und weint, ist das Wasser ein babylonisches, das Weinen unter Umständen ein – wie die Amerikaner sagen – „Kwetschen“ (warum dazu gerade auch am Wasser Gründe bestehen können, sehen wir gleich), das Ganze eine antike Erinnerung an zerstörte Tempel, und zählt hier nicht. Weil wir es mit der Neuzeit zu tun haben, und der einzige vernichtete Tempel derjenige der Stille ist.

Wasser gebietet nämlich das Schweigen; und darum stört es so, wenn sich plötzlich ein paar Komiker ebenfalls auf das Stück künstlichen Fels, an dem ein künstliches Bächlein vorbeirinnt, auf ihre echten Hintern setzen, zwar genauso die Füße zum Wasser strecken, jedoch umgehend zu quatschen beginnen. Es gibt hier nicht viele solcher Kunstfelsen, und man kommt dem Urelement nur selten so nah, sie wollen einen also vertreiben, das ist klar. Einen: mich und die Person, die neben mir schweigt und samt umspielten Fußzehen zu mir gehört. Anderswo würde das Menschengeplapper kaum stören, wir würden sogar die Ohren spitzen; an dieser städtischen Erholungsmöglichkeit mit ihren wenigen das Wort verschlagenden Schönheiten allerdings nicht, sonntags gilt hier das Faustrecht um jede mystische Oase, und das wissen die Leute.

Sie werden wohl auch mit dem Schweigen beginnen, sobald wir außer Hörweite sind. Zu was sonst sollten sie sich die Oberhoheit über Loreley erstritten haben? Undenkbar, dass zwei hominide Spezies auf so geringer Fläche überlebt haben. Denn das Wasser ist nicht für alle da. Für Schwätzer nicht, die braucht es nicht, plätschern kann es selber, und sogar betonierte Kaskädchen hinunter, und so beredsam noch in der Künstlichkeit, dass man angesichts der Sprache, die von uns Tieren bei Revierkämpfen eingesetzt wird, einfach verstummen muss.

21. August 2012

samedi 21 janvier 2012

Anglerglück

Ich lese Raymond Carvers Gedichte. Diesen Gedichten zufolge verbrachte er die beste Zeit seines Lebens beim Fischen in der Einsamkeit. Ob er außer seinen Gedichten auch Fische von seinen Ausflügen zurückbrachte, geht aus den Gedichten nicht hervor.

Ich, der ich keinerlei Angelerlebnisse vorzuweisen habe, ja kaum über die Geheimnisse eines echten Männerdaseins auf dem Laufenden bin, beneide diesen Menschen um die mystischen Naturerfahrungen und sozusagen gesunden tiefen Empfindungen, doch frage mich, ob sie nicht damit zusammenhängen, dass er seine Gedichte veröffentlichen konnte, und ob die (gesunde) Erfahrung der Einsamkeit nicht gewissermaßen auf deren Abwesenheit in den (ungesunden) amerikanischen Metropolen beruht – also genau darauf, dass sie beneidet wird. Ob ein Dichter sonst nur Fische, aber keine Gedichte vom Fischen nach Hause brächte, und alles andere unausgedrückt bleiben müsste, weil es jedenfalls unausdrückbar ist, und dann doch irgendwie ausgedrückte unausdrückbare Nebenumstände letztlich bloß der Nichtangler Bedürfnisse nach sinnvollen Wochenendbeschäftigungen stillen; da wird zur Not eben über das Angeln gelesen. Ob Raymond Carver also nicht schlicht anstelle seiner Leser zum Angeln gegangen ist, und – hätte er keine Leser in Aussicht gehabt – zwar das Angeln nicht hätte bleiben lassen, aber den Mund darüber gehalten hätte, weil Lachse, Stahlkopfforellen und angelnde Angler schließlich auch nichts sagen. So aber plaudert er quasi Geheimnisse aus.

Schwärmt ein Dichter hinterher von Natur (genauer: von seiner Natur), ist daran nichts Unmoralisches, doch es wären Faktoren außerhalb der Natur und außerhalb des Gedichteschreibens, die das Schreiben solch schöner Naturgedichte erst ermöglichen.

30. Dezember 2011 & 21. Januar 2012

samedi 26 novembre 2011

Oberkörper

Gleich nach dem Kopf ist der Oberkörper das Edelste. Schneidet man den Kopf ab, ist der Oberkörper überhaupt das Edelste. Alles Unanständige, alles dem Tierischen verpflichtete, klebt am Unterkörper, den man deshalb besser bedeckt hält. Zumindest, was den Mann angeht. Frauen hilft das weniger: Diese tragen mitten auf dem Oberkörper – und „tragen“ ist hier das passende Wort – was man eigentlich weiter unten vermuten würde, bei den übrigen Schamhaftigkeiten, weil es auch an das Tier im Menschen erinnert. Allerdings eigentlich erst ab einem gewissen Alter. In der Jugend noch nicht so ganz. Es haben beispielsweise die Griechen aber auch den jungen Mädchen ein Fetzchen übergestreift, eine Art nasses T-Shirt, und nur der männliche Torso durfte ganz nackt bleiben. Aber bei Typen durfte ja überhaupt alles nackt bleiben, selbst untenherum. Die alten Griechen eben, klar.

Seit Thomas Mann – und der war kein alter Grieche, obwohl er manchmal so tat – ist aber allein der Oberkörper das Edelste, oder vielmehr Schönste, es gibt da ein Zitat. So unglaublich schön und so häufig. Ganze Jahrgänge HJ, um ein wenig in der Zeit zu bleiben. Da war Thomas Mann aber vielleicht schon anderswo. Wo es auch Ferienlager gibt. Denn an einen älteren Herrn wie mittlerweile er selber, daran dachte Thomas Mann bei seiner Bemerkung wahrscheinlich nicht. Aber wer weiß. Eventuell war er ja noch ganz ordentlich erhalten und sah sich bei der Morgentoilette zufrieden im Spiegel an, ließ sogar ein wenig seine Muskeln spielen, dieser eitle Thomas Mann, pfui, schämen soll er sich. „Das grenzt nun schon an üble Nachrede!“ ruft mir von hinten eine Gestalt zu, die sich neuerdings lieber unter Kleidung versteckt. Mag sein, ich ziehe zurück.

Jedenfalls haben wir uns nun schon einigermaßen vom Thema entfernt. Und doch ist und bleibt der Oberkörper das Edelste an einem Menschen, sobald man diesem Menschen den Kopf abgeschnitten hat. Oder, um es etwas weniger brutal auszudrücken: beim Ausgraben ganz einfach nicht mitgefunden hat; hin und wieder findet man den Kopf ja dann doch noch und kann ihn hinterher draufsetzen, welch geradezu wunderbare Fügung, denn die Regel ist das nicht.

Der reine Oberkörper also, der klassische Torso: Zwei Brustwarzen, wie Augen – klein und zugekniffen, oder auch große braune Glotzaugen – gegebenenfalls Muskeln als Lachmuskulatur, und als kleines rundes Mündchen der neckische Nabel. Statt Ohren gehen rechts und links die nützlichen Arme ab. Nur die Nase fehlt. So ganz kann der Oberkörper also doch mit dem Kopf nicht mithalten. Aber weitgehend. Auf alle Fälle mehr als der Unterkörper mit seinem Gehängsel und den mehreren Ausgängen. Dem fehlen ja sogar die Augen, dass er etwa sehen könnte, was ihm zuweilen an eigentlich Unverdientem zustößt. Das ist ziemlich schade, oder aber ein rechtes Glück – falls man einen Zug zu blindem Genießertum hat.

23. Februar & 24. November 2011

dimanche 25 septembre 2011

Frigidaire

J’ai fait du ménage dans le frigo. Il y avait, au fond, un tas d’aliments qui n’étaient plus rien que des souvenirs de vacances rouillés, car j’en reviens toujours avec des conserves qui, arrivées à bon port, ne me disent plus rien ; ou encore, connaissant mon goût pour l’exotisme et l’oralité, on me les a rapportés. Or, la tête est bien plus aventureuse que l’estomac qui, lui, reste relié à la terre. Quand je suis chez moi, mon ventre est chez lui et me le fait sentir. Ce maître-là a ses propres souvenirs auxquels il tient – ce sont ceux de mes aïeux – et je n’arrive donc plus à me passionner pour ces fruits du dépaysement. L’estomac n’est peut-être pas le Bon Dieu, mais il est assez puissant pour empêcher de sauter à domicile sur les pommes d’un paradis lointain. Pour le dire crûment : en terrain sûr, l’appétit prime sur l’avidité intellectuelle, et la soif tout court sur la soif de savoir. Franchement, qui a envie de boire, calmement installé chez lui, une canette cabossée de basil seed drink with honey nủớc hột é, ou seulement d’accompagner sa bidoche habituelle de la mint sauce d’un hypermarché de la banlieue londonienne qui avoue être à base de sirops et de sucres ?

A part cela : bien que je ne sois pas un fanatique de la date de péremption, lorsque celle-ci se rapproche du siècle dernier, la confiance perd ses repères. Et puisque je crains dans mes mauvais rêves l’éclatement d’une nouvelle guerre au cours de laquelle, plus certainement que sous des bombes, je mourrai empoisonné par mon stock des jours paisibles, j’ai donc viré.

Mais pourquoi raconté-je cela ? Le fait de jeter cette nourriture insolite, si préservée sur les images de l’emballage et finalement jamais goûtée, a tout de même dû me chagriner. Ce n’était que de la bouffe, mais que de choses précieuses, venant de loin par essence, ont été enterrées, puis oubliées, là où elles se gardaient ! L’âme, et fût-elle celle d’une chambre froide, ne supporte guère d’être privée des vieilles lunes ; cependant, peut-on accepter que, par manque d’espace, elle ne serve plus à rien ?

Kühlschrank

Ich habe den Kühlschrank aufgeräumt. Es befand sich ein ganzer Haufen Nahrungsmittel darin, die eigentlich nur noch angerostete Urlaubserinnerung waren, denn ich komme immer mit Konserven zurück, die mir, einmal am Heimathafen, nicht mehr so recht zusagen. Oder aber man hat sie mir mitgebracht, weil man meine Lust am Exotischen und Oralen kennt. Doch der Kopf ist abenteuerlustiger als der Magen, der stets Erdfühlung behält. Bin ich bei mir, ist mein Bauch bei sich und lässt mich das auch spüren. Dieser Herr hat seine eigenen Erinnerungen, die ihm wichtig sind – es sind die meiner Ahnen – und mir gelingt es dann nicht mehr, den Früchten der Fremde genügend Begeisterung entgegenzubringen. Der Magen ist vielleicht nicht der Liebe Gott, aber er ist doch mächtig genug zu verhindern, dass man sich zu Hause auf die Äpfel eines fernen Paradieses stürzt. Um mich krass auszudrücken: Auf sicherem Boden hat der simple Appetit Vorrang vor der geistigen Gier und der reine Durst vor dem Wissensdurst. Wer käme, ehrlich gesagt, auf die Idee, bei sich auf dem Sofa zu einer verbeulten Dose basil seed drink with honey nủớc hột é zu greifen, oder auch nur den gewohnten Braten mit einer (erklärtermaßen aus Sirup und Zucker hergestellten) mint sauce aus einem Großmarkt des Greater London zu genießen?

Abgesehen davon, obschon ich kein Fanatiker von Verfallsdaten bin: Nähern sich diese dem vergangenen Jahrhundert, verliert das Vertrauen seine Bezugspunkte. Zudem befürchte ich in meinen Alpträumen den Ausbruch eines neuerlichen Kriegs, in dessen Verlauf ich mit größerer Sicherheit von meinem Hamstergut aus besseren Tagen vergiftet werde als dass ich den Bomben erläge. Ich habe das Zeug also entsorgt.

Doch warum erzähle ich das? Die Tatsache, diese ausgefallenen Speisen, die auf den Dosenbildchen noch so gut aussahen und schließlich niemals gekostet wurden, weggeworfen zu haben, hat mich trotz allem traurig gemacht. Es waren nur Fressalien, aber wie viel Köstliches, das von Natur aus von weit herkommt, wurde vergraben und vergessen dort, wo es sich erhalten hat! Die Seele, und sei es auch nur die eines Kühlraums, erträgt den Verlust ihres Trödels nur schwer. Kann man aber akzeptieren, dass sie mangels Platz zu nichts mehr nutze ist?

19 Septembre 2009

dimanche 4 septembre 2011

Drei kleine Prosen


1. Vergängliche Schönheit

Gleich neben dem Metroausgang befindet sich ein Obst- und Gemüseladen, in dem man bei Bedarf auch spätabends noch Obst und Gemüse bekommt. Geführt wird der Laden von einem alten Tunesier, dem jeweils wechselnde jüngere Mitglieder seiner offenbar weitverzweigten Familie beistehen. Der Laden ist hell erleuchtet, sehr hübsch mit all dem Obst und Gemüse, und besonders hell erleuchtet war er, als ein besonders hübsches Familienmitglied aushalf. Besonders hübsch und außerdem mit einer angenehmen Art, den Kunden hochzunehmen. „Nutzen Sie die Gelegenheit, denn ich bleibe nicht lange!“ schien sein Zwinkern zu bedeuten, und so manche Kundschaft ließ sich das nicht zweimal sagen und kaufte fortan besonders häufig Obst und Gemüse ein. Tatsächlich blieb dieser Verkäufer auch nicht lange.

Im Waschsalon fünfzig Meter weiter unten war es ähnlich. Zwei Brüder. Es blieb der mit der Hasenscharte. Schönheit hält sich eben niemals länger in unserer Vorstadtstraße auf. Augenblicklicher Star ist der neue Augenarzt mit dem italienischen Namen; ich kenne ihn leider nur vom Hörensagen. Mal sehen, wann ich eine neue Brille brauche, und mal sehen, wie lange es dauert, bis auch er wie der hinreißende Zahnarzt nach Nizza verschwindet. Denn die Regel gilt für alle Branchen.

Schönheit ist vergänglich, vor allem im Jammertal – das steht schon so im Prediger Salomo. Genieße sie, wenn du sie findest, sie ist auf dem Sprung. Aber wo genau sie sich hinverzieht, wenn es sich um einen Obst- und Gemüseverkäufer handelt, weiß ich auch nicht so recht. Bei jungen Augenärzten, klar, ist die Prognose einfacher.

Schönheit tut ja nur so, als sei sie des Irdischen enthoben. Kein Obst- und Gemüseverkäufer, kein Augenarzt – nur Schöne... so erscheint es im Moment der Offenbarung. Hinterher stellt man sich allerdings wieder Fragen. Göttliche Schönheit behält jedenfalls ihr Geheimnis, was die Problematik des Entführens – das heißt: das Wohin des Entführtwerdens – angeht. Zwingendes Begehren, Zeus und Ganymed nach wie vor, doch einen Olymp findest du keinen mehr, so weit sind wir nun schon. Sie haben wohl nicht unrecht, die da meinen, das Jammertal sei Epiphaniens einziger Topos. Es würde sich also kaum lohnen, von hier wegzuziehen. Warum hauen dann die schönen Menschen aber immer so schnell ab?


2. Stilfragen

Es herrscht hier grässliche Wohnungsnot.
Leute, die per Internet Zimmer suchen, namentlich Zimmer in Wohnungen, verschönern ihre Anzeige mit einem möglichst vorteilhaften Bildnis von sich, so als wäre das Facebook, muskulösere Herren erscheinen auch schon mal mit entkleidetem Oberkörper. Unter dem Alter steht sinnigerweise gleich die sexuelle Ausrichtung: meistens brav hetero, aber auch wurschtegal und schwul. Bevor man einen Artgenossen einfach in seinen Bau lässt, überlegt man sich das ja. Und ist der Mit- oder Untermieter wohlgestaltet, kann das der häuslichen Intimität nur zum Vorteil gereichen. Die gemeinsame Badbenutzung hat natürlich ihre Licht- und Schattenseiten. Zu sehr sollte der Neuankömmling dann doch auch nicht auf sein Äußeres bedacht sein.
Die Leute, die sich so anbieten, suchen jedenfalls eine Unterkunft. Hat nichts mit Leuten auf Partnersuche zu tun, die unglückseligerweise gerade ein kleines Problem haben und plötzlich mit ihren Siebensachen vor der Tür des neuen Freundes stehen. Die gibt es neuerdings immer häufiger in diesen Breiten, und es kann sehr schnell gehen; zuweilen genügt eine einzige Nacht im Liebesrausch und da haben wir den Salat. Es ist das einfach alles eine Frage des Stils.
Studiert man die Annoncen, hat die Spekulation auf dem Immobiliensektor unmittelbar Einfluss auf den Triebhaushalt der im Mietverhältnis stehenden Parteien. Ich würde gerne hin und wieder ein paar meiner Quadratmeter zur Verfügung stellen, das Angebot ist effektiv zu verführerisch, doch da ich leider auch dem Druck des Marktes unterliege, verzichte ich jedes Mal am Ende darauf. Zwischen meine Buchregale mag ich dann doch niemanden quetschen.


3. Kein Waldspaziergang

Für einen zünftigen Waldspaziergang ist das nicht der Ort. Waldspaziergänge brauchen echten Wald, und den haben wir hier nicht. Dafür mehrere größere Parks, fast Naturparks. Parkspaziergänge sind also kein Problem, und im Übrigen auch recht interessant. Zu manchen Stunden stößt man auf Wesen, die in der freien Natur ihrer Natur freien Lauf lassen. Meistens sind es Männchen; Weibchen haben einfach weniger Beziehung zum Leben in Freiheit.
An einen richtigen Waldspaziergang kommt das dennoch nicht ran, es fehlt ganz einfach des Erhebende. Normaler Wald, die rauschenden Höhen und so weiter, all das erhebt nämlich; doch das Einzige, was beim Parkspaziergang ein klein wenig erheben könnte, ist knisterndes Unterholz und dahinter möglicherweise der menschliche Sumpf, auf den man bei dieser Karikatur eine Naturbegehung stößt. Widerliche menschliche Niederungen, erhebend allein durch die komplizierten Gedanken, die sich jeder auf seine Weise dazu machen mag. Denn Gedanken macht man sich, auch wenn man selbst den Stadtwald nicht auf diese Weise in Anspruch nimmt. Die meinigen sind stets auf das Ästhetische beschränkt und ernüchternd. Aber was habe ich denn um Himmelswillen erwartet? Nichts habe ich erwartet, und deshalb dürfte ich eigentlich auch nicht ernüchtert sein. Es gibt ohnehin schon überall Wirklichkeit, also warum nicht auch hier? Doch etwas Mitgefühl, bitteschön! Daran mangelt es mir.
Eigentlich empfinde ich bei so einem Parkspaziergang überhaupt nichts, aber ich achte vielleicht ganz einfach nicht genügend auf das, was sich über mir abspielt.
Feldstecher hat man nicht dabei; zu was sollte der auch gut sein? Flinte ebenso wenig, und noch nicht einmal den gehorsamen Dachshund. Wild darf schon etwas wildeln, doch – so lautet der Fluch halben Unbeteiligtseins – was man hier zur Strecke bringen könnte: dieses Fleisch ist schon abgehangen, wenn es noch frei herumläuft. Doch das ist ja auch kein echter Wald.



Trois petites proses


1. Beauté fugitive

Juste à côté de la bouche du Métro se trouve un magasin de fruits et légumes où l’on peut acheter, au besoin, des fruits et légumes même tard le soir. C’est un vieux Tunisien qui le gère, assisté à tour de rôle par de jeunes membres de sa famille manifestement fort étendue. Le magasin est très bien éclairé, c’est très joli avec tous ces fruits et légumes ; et il était particulièrement bien éclairé lorsqu’un membre particulièrement joli y officiait. Particulièrement joli, et une façon agréable de chambrer le client avec ça. « Profitez-en, je ne resterai pas longtemps ! » semblaient signifier ses clins d’œil, ce que certains clients ne se laissaient pas dire deux fois, se mettant à acheter fruits et légumes particulièrement souvent. En effet, le vendeur ne restait que peu de temps.

À la laverie automatique cinquante mètres plus bas, c’était la même chose. Deux frères. Resta celui au bec de lièvre. La beauté ne demeure jamais longtemps dans notre banlieue miséreuse. La star actuelle est un jeune ophtalmo au patronyme italien, je ne le connais malheureusement que par ouï-dire. Allons voir quand j’aurai besoin de nouvelles lunettes, et allons voir combien de temps cela prendra avant qu’il ne fasse comme le ravissant dentiste parti à Nice. Car la règle est valable pour toutes les branches.

La beauté est fugitive, surtout dans la vallée de larmes – ce sont là les mots de l’Ecclésiaste. Jouis-en lorsque tu la rencontres, elle se fait déjà la malle. Mais où se barre-t-elle au juste lorsqu’il s’agit d’un vendeur de fruits et légumes, je ne le sais pas trop non plus. Dans le cas d’un jeune ophtalmo, le pronostic est bien sûr plus simple.

La beauté ne fait que feindre d’être affranchie de la lourdeur terrestre. Pas de vendeur de fruits et légumes, pas d’ophtalmologue – seulement des êtres beaux... c’est ainsi que cela se présente au moment de la révélation. Après, on se pose à nouveau des questions. La beauté céleste garde en tout cas son mystère quant au problème du rapt : qui saurait dire vers où s’envole le beau ? Toujours du désir impérieux, toujours Zeus et Ganymède, mais un Olympe introuvable, nous en sommes bien là. Ceux qui prétendent que la vallée de larmes est le seul lieu où l’épiphanie est possible, sont peut-être dans le vrai. En déménager ne vaut donc guère la peine. Mais pourquoi tous ces beaux êtres en foutent-ils alors le camp aussi vite ?


2. Questions de style

Il y a ici une terrible pénurie de logements.
Les gens qui recherchent par internet des chambres, notamment des chambres dans des apparts, agrémentent leur annonce d’un autoportrait photogénique, comme si c’était Facebook, des messieurs plutôt musclés représentés parfois torse nu. Après l’âge on mentionne judicieusement l’orientation sexuelle : le plus souvent sagement hétéro, mais aussi je-m’en-branle et gay. Parce que, avant de laisser entrer un congénère dans sa tanière, on réfléchit. Et si le colloc ou sous-loc est bien fait, l’intimité domestique en profite. Certes, l’utilisation commune de la salle de bains a ses avantages et ses contraintes. Il ne faudrait pas non plus que le nouveau venu s’occupe trop de son apparence.
Les gens qui se proposent ainsi cherchent cependant un logement. Rien à voir avec des gens à la recherche d’un partenaire qui, malencontreusement, viennent d’avoir un petit problème et débarquent tout à coup chez le nouvel ami avec leurs affaires sous le bras. Ces temps-ci, c’est de plus en plus courant sous ces latitudes, et cela peut même arriver assez vite, une seule nuit d’ivresse peut suffire et le mal est fait. Tout ça est simplement une question de style.
À étudier l’iconographie de ces annonces, la spéculation immobilière a un impact immédiat sur l’économie pulsionnelle des parties en relation de loyer. Moi, ci et là, je baillerais volontiers quelques-uns de mes mètres carrés, l’offre est en effet trop tentante, mais étant hélas moi-même soumis aux pressions du marché, invariablement j’y renonce à la fin. Je ne voudrais quand même pas coincer la personne entre mes étagères à bouquins. 


3. Pas de promenade en forêt

Ce n’est pas le lieu pour une bonne promenade en forêt. La promenade en forêt a besoin d’une forêt, et nous n’en avons point ici. Par contre, nous nous félicitons de quelques grands parcs, presque des parcs naturels. La promenade en parc n’est donc pas un problème, et du reste tout aussi intéressante. A certaines heures on y rencontre des créatures qui, dans la nature libre, laissent libre cours à leur nature. Le plus souvent ce sont des mâles ; les femelles, paraît-il, n’ont pas de rapport suffisant à la vie dehors.
Pourtant, rien à voir avec une vrai balade forestière ; il y manque l’élévation de l’âme. La forêt ordinaire, ses cimes bruissantes, ont tendance à élever l’âme humaine ; or, la seule chose qui pourrait l’élever dans un parc, ce sont les sous-bois craquants et, derrière eux, les bas-fonds humains repérables lors d’un tel face-à-face avec la nature caricaturale. De bien ragoûtants bas- fonds, élevant l’âme uniquement moyennant les pensées compliquées que chacun se fait à sa manière. Car on ne cesse de penser, même dans un parc, et même si l’on en use autrement. Mes pensées à moi sont toujours limitées à l’esthétique et tout autant désillusionnées. Mais bon ciel, à quoi m’attendais-je ? À rien, certes, je ne devrais donc pas être désillusionné. Puisque le réel est partout, pourquoi pas ici ? L’on me prie d’avoir quelque compassion ; c’est bien ça qui me manque.
En fait, je n’éprouve rien lors d’une de ces promenades en parc, mais peut-être ne fais-je simplement pas assez attention à ce qui se passe au-dessus de moi.
On y va sans jumelles, elles n’auraient pas d’utilité. Pas non plus de carabine, et même pas la compagnie du brave chien obéissant. Il y a là la malédiction de celui qui n’est concerné qu’à moitié : S’il est normal que le faisan se fasse faisander, le gibier que l’on pourrait prendre ici sent déjà le fumet lorsque la bête court encore. Mais ce n’est pas une véritable forêt.

4 Janvier 2011